Ramadankalender

Ramadan: Zeit innezuhalten

Unter dem Motto „Zeit innezuhalten“ begrüßt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich den am Freitag, den 24. April beginnenden neunten Monat des islamischen Mondkalenders, den sogenannten Ramadan. Der Tradierung zufolge wurde dem Propheten Muhammad in jenem Monat die Heilige Schrift des Islam, der Koran, überliefert. Im Ramadan fasten Musliminnen und Muslime von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Mit dem gemeinsamen Iftar-Mahl wird das Fasten am Abend beendet.

Seit einigen Wochen schon werden Diskussionen darüber geführt, ob diese Art des Fastens in Zeiten der Corona Pandemie empfehlenswert sei. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt in ihren am 15. April veröffentlichten Leitlinien, dass es bislang keine wissenschaftlichen Beweise dafür gäbe, dass das Fasten das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus erhöhen würde und ist daher der Meinung, dass gesunde Menschen während des diesjährigen Ramadan wie gewohnt fasten können.

Für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich ist folglich klar, dass die Corona Pandemie aus derzeitiger Sicht kein Hindernis für das Fasten im Ramadan darstellt. All jene Musliminnen und Muslime, die die religiöse Reife erreicht haben und dabei geistig und körperlich gesund sind, sind daher eingeladen zu fasten.

Kinder, Personen mit körperlichen oder intellektuellen Einschränkungen, chronisch Kranke und Hochbetagte sind vom Fasten befreit. Versäumte Fastentage nachzuholen ist für alle jene zulässig, die akut erkrankt sind, sich auf Reise befinden, schwangere und stillende Frauen, Frauen im Wochenbett oder in der Menstruation. Diese Erleichterungsregeln bestehen immer, unabhängig von der Corona Pandemie und sind im Koran und in den islamischen Überlieferungen festgeschrieben.

Abgesehen von der Fähigkeit zu Fasten jedoch bedeutet die Corona Pandemie für Musliminnen und Muslime eine massive Veränderung der gewohnten Rituale: die Gebete und das Fastenbrechen sind zuhause im engsten familiären Kreis zu verrichten. Eine für alle ungewohnte Situation. „Wir bitten alle Gläubigen, diese herausfordernde Zeit zu nutzen und sich auf das Wesentliche zu besinnen, auf das, was sie unmittelbar umgibt, auf ihre Familien, ihr Zuhause, ihre Gesundheit und auf ihren Glauben. Es ist für uns alle somit Zeit innezuhalten“, so Präsident Vural. Ihren Mitgliedern und Gemeinden stellt die IGGÖ als eine Hilfestellung einen Leitfaden mit Vorgaben und allgemeinen Empfehlungen für den Fastenmonat zur Verfügung. Ein umfangreiches Online-Angebot mit täglichen Vorträgen und Koranrezitationen soll den Ramadan hindurch zur spirituellen Begleitung dienen.

Wie lange diese strikten Einschränkungen für das religiöse Leben in Österreich noch Gültigkeit haben, hängt maßgeblich von den Auswirkungen der ersten Lockerungsmaßnahmen das öffentliche Leben betreffend und der weiteren Entwicklung der Krankenstatistik in den kommenden Wochen ab. Die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und das Ziel eines religionenübergreifenden Plans zur schrittweisen Öffnung werden dabei handlungsweisend sein. Aktuell ist aber nicht auszuschließen, dass die derzeitige Situation bis zum Ende des Ramadan andauern könnte.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft wünscht allen Musliminnen und Muslimen trotz der schweren Lage, in der wir uns befinden, einen gesegneten Ramadan und bittet sie, sich ihren Bittgebeten von zuhause aus anzuschließen.

Leitfaden für den Fastenmonat Ramadan

Leitfaden für den Ramadan

Ramadan Kalender

Machen wir unser Zuhause zu Moscheen

Als erste Religionsgemeinschaft in Österreich hat die IGGÖ bereits vor den ersten Regierungserlässen strikte Maßnahmen zum Schutz von Gemeindemitgliedern und Mitmenschen getroffen. Bei einem Treffen aller anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften im Bundeskanzleramt am 12. März 2020 wurde schließlich gemeinsam entschieden, die Aktivitäten in den religiösen Gemeinden für die nächsten Wochen weitestgehend auszusetzen.

Der Verlängerung der gesetzlichen Vorgaben über die Einschränkungen des öffentlichen Lebens folgend, sieht sich die IGGÖ dazu verpflichtet, auch die für ihre Gemeinden seit 10. März bestehenden Beschränkungen bis Ende April, und somit in den bevorstehenden Fastenmonat Ramadan hinein, der am 23. April beginnt, zu verlängern.

Für, die islamische Religionsgemeinschaft bedeuten sowohl die Aussetzung der gemeinschaftlichen Gebete, als auch die Beschränkung des Fastenbrechens auf den Kreis der Kernfamilie eine massive Änderung ihrer gewohnten Rituale während des Fastenmonats. „Der Islam wird in der Gemeinschaft gelebt. In der jetzigen Situation aber gilt es, unsere Häuser mit Gebeten und Rezitationen zu erhellen und sie zu Moscheen zu machen“, so Präsident Vural. Trotz der räumlichen Distanz bleibt die Glaubensgemeinschaft mit ihren Mitgliedern über ihre Online Angebote in Verbindung und begleitet sie damit spirituell so gut wie möglich durch die kommenden Wochen.

Im Zuge der stufenweisen Normalisierung des öffentlichen Lebens in Österreich wird in enger Zusammenarbeit mit dem im Bundeskanzleramt angesiedelten Kultusamt sowie den anderen anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften ein möglicher Plan zur schrittweisen Wiederaufnahme der religiösen Praxis in den kommenden Wochen und Monaten erarbeitet. „Wir haben als Religionsgemeinschaften bis jetzt einen gemeinsamen Weg gefunden und wollen diesen Weg auch in Zukunft gemeinsam gehen“, so Vural. Das weitere Vorgehen wird sich dabei naturgemäß an den Vorgaben der Bundesregierung und den Gesundheitsbehörden orientieren und laufend neu evaluiert werden müssen.

Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Beschränkungen und Vorschriften unterstützt die IGGÖ uneingeschränkt. Auch die muslimische Bevölkerung beweist Tag für Tag ihre Einsicht und Kooperationsbereitschaft: zahlreiche Gemeinden und Vereine, Einzelpersonen, Jugendliche und Familien haben sich in Hilfsprojekten zusammengeschlossen, um ältere und bedürftige Mitmenschen zu unterstützen. Auch arbeiten viele Musliminnen und Muslime in gerade jenen Bereichen, die aktuell ganz besonders wichtig für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens und die Versorgungssicherheit in unserem Land sind.

Gleichzeitig treffen die Maßnahmen vor allem kleinere Moscheen sehr hart, denn durch das Versammlungsverbot fallen die üblichen Spendensammlungen bei den Freitagsgebeten und vor allem im Monat Ramadan, die einen maßgeblichen Teil ihrer Einnahmequellen darstellen, ersatzlos weg. Dies führt dazu, dass Mieten, monatliche Erhaltungs- und Betriebskosten, Kreditraten oder Löhne nicht mehr beglichen werden können. Die IGGÖ hat daher eine innermuslimische Spendensammlung ins Leben gerufen, mit dem Bemühen, den Erhalt all ihrer Moscheen zu sichern. „Vor diesem Hintergrund wird es nun erneut augenscheinlich, dass unsere Glaubensgemeinschaft ganz neue Wege der Finanzierung bestreiten wird müssen, um ihre Aufgaben auch in Zukunft in gewohnter Stringenz erfüllen zu können“, führt Vural aus und weist damit wiederholt auf die seit Monaten im Raum stehende Diskussion um die mögliche Einführung eines Moscheebeitrages hin.