Stellungnahme der IGGÖ zum Jahresbericht des Österreichischen Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischen Extremismus
Die IGGÖ nimmt den jüngsten Bericht der Dokumentationsstelle zur Kenntnis, weist jedoch mit Nachdruck auf eine zentrale Problematik hin: Durch die unscharfe und unwissenschaftliche Verwendung des Begriffs „politischer Islam“ werden alltägliche religiöse Praktiken von Musliminnen und Muslimen in Österreich in ein politisch-extremistisches Deutungsmuster eingeordnet. Damit verschwimmt die Grenze zwischen legitimer Religionsausübung und extremistischen Ideologien. Bei tatsächlich extremistischen Tendenzen haben rechtsstaatliche Instrumentarien zu greifen, als auch vorbeugende Maßnahmen durch Bildung und weitere Angebote für bestimmte Zielgruppen. Die IGGÖ sieht im Bericht die Gefahr einer pauschalen Stigmatisierung und einer zunehmenden Verunsicherung in der Gesellschaft. Der Alltag zeichnet viel mehr ein anderes Bild: Musliminnen und Muslime leisten durch ihr Engagement in Beruf, Bildung und Ehrenamt einen wichtigen Beitrag zu einem offenen, vielfältigen und solidarischen Österreich.
Die IGGÖ bekennt sich klar zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und einem respektvollen Miteinander. Was unser Land stärkt, ist nicht die Verallgemeinerung oder der Generalverdacht gegenüber einer Religionsgemeinschaft, sondern der gemeinsame Einsatz gegen jede Form von Extremismus und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.