Sowohl Männer als auch Frauen, so betont der Qur‘an, haben die Pflicht, sich moralisch und spirituell zu entwickeln und ihrer sozialen Verantwortung nach der Förderung des Gemeinwohls nachzukommen. Gleichzeitig aber beobachten wir, dass die gelebte Praxis innerhalb islamischer Institutionen und der muslimischen Gemeinschaft dem Prinzip der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern oftmals widerspricht und dieses in Frage gestellt wird, indem Frauen daran gehindert werden, ihre etablierten Rechte auszuüben und ihren sozialen und moralischen Pflichten nachzukommen. Ursache dafür ist nicht etwa die Lehre des Islam, sondern kulturelle Befangenheiten und Mentalitäten, deren Praktiken häufig frauenfeindlich, ungerecht und entwürdigend sind.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft ist jene Institution, in der die Entwicklung der muslimischen Gemeinschaft in Österreich vorangetrieben und Strategien zur Förderung des muslimischen Gemeinwohls sowie zur Überwindung von Herausforderungen, denen die muslimische Gemeinschaft gegenübersteht, entwickelt werden. Die Verhinderung der vollen Teilhabe von Frauen, als auch von jugendlichen Mädchen und Burschen, ist sowohl unmittelbar als auch auf lange Sicht ein Nachteil für die Institution und die muslimische Gemeinschaft als Ganzes, denn das Negieren des vollen menschlichen Potentials all ihrer Mitglieder – Frauen, Männer, Jugendliche – hemmt ihre spirituelle und gemeinschaftliche Entwicklung.

Um aber als muslimische Gemeinschaft agieren und zukünftige Generationen von Muslim*innen befähigen und in ihrer Identität stärken zu können, müssen alle Mitglieder mit demselben Respekt behandelt und ihnen ihre Möglichkeiten zuerkannt werden, sich in die Gemeinschaft zu integrieren, in ihr eine aktive und gestalterische Rolle einzunehmen und zu ihrer positiven Entwicklung beizutragen.

In einem ersten Schritt wurden im Dezember 2020 drei Posten mit kompetenten jungen Frauen im höchsten Entscheidungsgremium, dem Oberster Rat besetzt. Nach einem mehrmonatigen Arbeitsprozess schlossen diese Frauen schließlich Anfang März 2021 die Vorbereitungen für die Konstituierung des neuen „Referats für Gleichbehandlung und Frauenförderung“ der IGGÖ ab, das sich der Auseinandersetzung mit genderspezifischen Aspekten innerhalb der IGGÖ, der muslimischen Community und der Gesamtgesellschaft widmet.

Leitbild

Das Referat für Gleichbehandlung und Frauenförderung dient der Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Aspekten innerhalb der Islamischen Glaubensgemeinschaft, der muslimischen Community und der Gesellschaft als Ganzes, sowie der Beratung und Unterstützung für Muslim*innen.

Es versteht sich als Ort der Selbstermächtigung von Muslim*innen und der Forcierung eines gleichwertigen Zugangs zu islamischen Institutionen sowie der gleichberechtigten Beteiligung an der Gestaltung, Organisation und Führung der muslimischen Gemeinschaft.

Um die eigentliche Bestimmung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, alle Muslim*innen in Österreich zu vertreten, arbeitet das Referat als ein aus Frauen und ihren männlichen Verbündeten (sg. male allies) bestehenden Kollektivs unabhängig von der Zugehörigkeit zu innerhalb der IGGÖ vertretenen Verbänden und Einrichtungen, in welchem die Fähigkeiten, Ideen und Beiträge aller Mitglieder gleichermaßen gewürdigt und respektiert werden.

Ziele
  1. Gleichbehandlung

Das Referat soll zur Sensibilisierung für Frauenanliegen und die Gleichstellung von Frauen und Männern beitragen, indem sie geschlechterspezifische Benachteiligungen, Diskriminierung und Problemlagen innerhalb der Glaubensgemeinschaft und der Gesellschaft insgesamt sichtbar macht.

  1. Gender Mainstreaming

Das Referat entwickelt Strategien zur Anpassung der Rahmenbedingungen und Entscheidungsfindungen an die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern gleichermaßen, um so eine Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe aller zu ermöglichen. Dabei folgt es dem Verständnis, dass Frauenangelegenheiten kein isoliertes Sonderthema, sondern die Geschlechtergleichstellung Hauptthema und in allen Bereichen wesentlich ist.

  1. Frauenförderung

Das Referat unterstützt die Interessen von Frauen in allen Bereichen und dient als Beratungs- und Anlaufstelle für Frauen, Frauengruppen, -vereine, -organisationen etc. zur Förderung von Projekten und Initiativen mit frauenpolitischer Relevanz.

Aufgaben
  • Bildung eines regionalen und bundesweiten Netzwerks innerhalb der Islamischen Glaubensgemeinschaft, all ihrer Einrichtungen, aber auch mit Muslim*innen (und nicht-Muslim*innen), die nicht in islamischen Organisationen engagiert sind, und einen Ort der Begegnung und der Diskussion suchen
  • Verfassen von Stellungnahmen zu Maßnahmen und Beschlüssen der Islamischen Glaubensgemeinschaft und ihrer Einrichtungen, die diese auf ihre Auswirkungen auf Frauen und Männer und die Sicherstellung von Fraueninteressen hin untersuchen
  • Beratung von Frauen, Frauengruppen, -vereine, -organisationen etc.
  • Organisation und Durchführung von Informations-, Diskussions- und Bildungsveranstaltungen, sowie die Herausgabe von themenspezifischen Publikationen.
  • Unterstützung von und Mitwirken an externen Projekten und Aktionen
Kontakt

Referat für Gleichbehandlung und Frauenförderung der IGGÖ

Elif Dağlı, BA, Leiterin
Arefe Yıldız, stv. Leiterin

Adresse: Bernardgasse 5, 1070 Wien
Telefon: +43 1 526 31 22 8
Email: gleichbehandlung@derislam.at

Beratungsstelle und Telefonseelsorge

Adresse: Neustiftgasse 117, 1070 Wien
Telefon: 0800 999 179 (Mo 16 bis 19 Uhr, Do 9 bis 13 Uhr)
Email: beratungsstelle@derislam.at

Neuigkeiten

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