IGGÖ ad Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen: Rechtliche und moralische Verpflichtung Österreichs!

IGGÖ ad Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen: Rechtliche und moralische Verpflichtung Österreichs!

Wien (OTS/IGGÖ) – Bereits vergangene Woche hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) gewarnt, dass den medialen Ankündigungen der Taliban, was den Schutz der Zivilbevölkerung und der Wahrung ihrer Rechte angeht, mit großer Skepsis zu begegnen sei. Nun mehren sich Berichte von schweren Menschenrechtsverletzungen gegenüber Zivilist*innen, die in den vergangenen Jahren für internationale Organisationen und ausländische Staaten tätig waren.

Die erneute Machtübernahme der Taliban bedeutet für die afghanische Bevölkerung die Rückkehr in eine von einem pervertierten Islamverständnis geprägte Gewaltherrschaft, in der mit der massiven Einschränkung der Selbstbestimmung afghanischer Mädchen und Frauen, der Diskriminierung und Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten und kritischer Stimmen sowie brutaler Körperstrafen und Hinrichtungen zu rechnen ist.

Während die internationale Staatengemeinschaft zur Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen, wie Journalist*innen, Künstler*innen oder Menschenrechtsaktivist*innen aufruft, lehnt die österreichische Bundesregierung indes aus innenpolitischem Kalkül eine solche strikt ab und fordert zudem die Errichtung von Abschiebezentren in der Region.

„Die Aussagen der Regierungsspitzen sind angesichts der tragischen Bilder und Berichte, die uns aus Afghanistan erreichen, unangebracht und deplatziert“, zeigt sich IGGÖ-Präsident Ümit Vural verstört. „Österreich ist rechtlich zur Einhaltung sowohl der Europäischen Menschenrechtskonvention als auch der Genfer Flüchtlingskonvention verpflichtet.

Angesicht der dramatischen Lage in Afghanistan muss sich die Bundesregierung an einer europaweiten humanitären Aufnahme von besonders vulnerablen Personen solidarisch beteiligen und damit ein Zeichen der Menschlichkeit und des Mitgefühls setzen, so Vural.

Zudem müssen auch die Rechte bereits in Österreich lebender Afghan*innen gewahrt, ausständige Asylentscheidungen beschleunigt und eine rasche Zusammenführung mit ihren nun gefährdeten Familienangehörigen ermöglicht werden, gibt Vural zu bedenken.

IGGÖ ad Islamgesetz: Für das Recht auf Gleichbehandlung!

IGGÖ ad Islamgesetz: Für das Recht auf Gleichbehandlung!

Der Rassismus gegenüber MuslimInnen ist real und hat sich in den Monaten seit dem Terroranschlag in Wien noch weiter verschärft.

Heute wird in der Plenarsitzung des Nationalrates über die umstrittene Novellierung des Islamgesetzes von 2015 abgestimmt, die im Kontext des Anti-Terror-Pakets präsentiert wurde. In den Bestimmungen sollen Mechanismen verankert werden, die sich in den Gesetzen anderer staatlich anerkannter Kirchen und Religionsgesellschaften nicht finden, wie in zahlreichen Stellungnahmen während der parlamentarischen Begutachtungsphase bemängelt wurde. Diesen wurden von der Bundesregierung jedoch keinerlei Beachtung geschenkt.

Die Diskriminierung von MuslimInnen wird damit abermals auf eine institutionalisierte Ebene gehoben, kritisiert Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ): „Das gewählte Framing und die mangelhafte Einbindung der betroffenen Religionsgesellschaft beweist, dass die Bundesregierung nicht an konsensorientierten Gesprächen und an der Formulierung wirksamer Maßnahmen in der Extremismusprävention interessiert ist, sondern lediglich von den eigenen Versäumnissen ablenken und auf dem Rücken österreichischer Musliminnen und Muslime politisches Kleingeld wechseln möchte. Zumindest die Grünen als deklarierte Menschenrechtspartei und die Opposition sollten sich an dieser Form der Politik nicht beteiligen“, so Vural.

Zahlreiche PolitikerInnen sprechen sich regelmäßig gegen die Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen aus. Vural erwarte sich, dass sich diese Haltung auch im heutigen Abstimmungsverhalten widerspiegelt: „In den vergangenen Wochen habe ich mich um einen intensiven Austausch mit Abgeordneten unterschiedlicher Couleur bemüht, um den Standpunkt der IGGÖ zu erläutern. Der Nationalrat kann einem Gesetz, das eine einzige Religionsgemeinschaft grundsätzlich ungleich behandelt und einen nie dagewesenen Bruch mit dem bewährten Kooperationsmodell zwischen Staat und Religionen darstellt, nicht zustimmen!“

Sollte das Gesetz in dieser Form verabschiedet werden, könne er rechtliche Schritte nicht ausschließen: „Ich werde auch weiterhin konsequent für die Gleichbehandlung ausnahmslos aller Bürgerinnen und Bürger Österreichs eintreten und dafür, wenn notwendig, auch den Rechtsweg beschreiten“, kündigt Vural abschließend an.

IGGÖ ad Islamlandkarte: Angriffe reißen nicht ab – Webseite muss dauerhaft vom Netz!

IGGÖ ad Islamlandkarte: Angriffe reißen nicht ab - Webseite muss dauerhaft vom Netz!

Wien (OTS/IGGÖ) – Nach Wien, Niederösterreich und Oberösterreich sind die bereits bekannten Warnschilder rechtsextremer Gruppierungen nun auch erstmals in der Steiermark an einer Moschee der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) angebracht worden. Es ist der bereits zweite Angriff auf diese sichtbare Moschee seit Bundesministerin Raab und ihre Dokumentationsstelle durch die Veröffentlichung der sogenannten Islamlandkarte pauschal alle muslimischen Einrichtungen zur Zielscheibe für Hass und Hetze gemacht haben. Trotz massiver Kritik ist die Islamlandkarte nun nach einigen Tagen der Deaktivierung wieder für die Öffentlichkeit einsehbar, und zwar ohne der angekündigten Sicherheitsmaßnahmen wie einer Registrierpflicht für UserInnen.

Problematisch sind dabei nicht nur datenschutzrechtliche Aspekte, sondern vor allem die Einbettung in die Arbeit einer Institution, die vorgibt, sich auf wissenschaftlicher Basis und ohne politische Einflussnahme mit Extremismus und Radikalisierung auseinandersetzen zu wollen. Nicht ohne Grund hat die Universität Wien die Verwendung ihres Logos auf der Webseite untersagt. Eine Kritik, der sich die Verantwortlichen beharrlich verweigern, wie IGGÖ-Präsident Ümit Vural erklärt: „Unsere Befürchtung, dass die Islamlandkarte zu einer Stigmatisierung von MuslimInnen führen und eine Gefährdung für die Sicherheit islamischer Einrichtungen darstellen könnte, wurden von VertreterInnen anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie zahlreichen PolitikerInnen und zivilgesellschaftlichen Organisationen geteilt.“

Bestätigt haben sich diese Sorgen noch am Tag der Veröffentlichung: Die IGGÖ musste prompt um vermehrten Polizeischutz ihrer Moscheen ansuchen und auch MuslimInnen und als muslimisch gelesene Personen sehen sich seither einem Anstieg an Anfeindungen auf offener Straße und im Internet ausgesetzt.

„Die halbherzigen Versuche der Verantwortlichen, sich von einer Instrumentalisierung durch Rechtsextreme zu distanzieren, wirken vor diesem Hintergrund mehr als scheinheilig. Die HerausgeberInnen halten verbissen an einem Projekt fest, dessen Auswirkungen nicht nur zu erwarten gewesen, sondern mittlerweile täglich zu beobachten sind und setzen damit Gotteshäuser einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft und ihre AnhängerInnen wissentlich einer Gefahr aus“, zeigt sich Vural besorgt.

Die IGGÖ hat bereits am 3. Juni 2021 eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht und ihre Einrichtungen dabei unterstützt, von ihrem Recht auf Beschwerde bei der Datenschutzbehörde Gebrauch zu machen, um die Löschung ihrer Daten zu erwirken. Präsident Vural fordert heute indes einmal mehr die dauerhafte Deaktivierung der Webseite: “Diese Politik der Spaltung muss ein Ende haben – es reicht!“

Offener Brief an Bundesministerin Raab

Offener Brief an Bundesministerin Raab
Kultusgemeinden der IGGÖ: Die „Islamlandkarte“ gefährdet die Sicherheit unserer Einrichtungen und Mitglieder!

An

MMag.a Dr.in Susanne Raab
Bundesministerin für Frauen, Integration, Familie und Jugend im Bundeskanzleramt

Österreichischen Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischen Extremismus (Dokumentationstelle Politischer Islam)

Institut für islamisch-theologische Studien
Universität Wien

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir, die Kultusgemeinden der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, fordern Sie auf, unverzüglich die Veranlassung der Offline-Stellung der von Ihnen vergangene Woche präsentierten „Islamlandkarte“ zu veranlassen.

In Österreich gewährleistet die Säkularität der Rechtsordnung, die weltanschauliche Neutralität des Staates und das Kooperationsmodell zwischen Staat und Religionen die prinzipielle rechtliche Gleichstellung religionsverschiedener BürgerInnen. Wie auch alle anderen staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sind unsere Einrichtungen seit Jahrzehnten um die bundesweite Sicherung der freien und öffentlichen Ausübung der religiösen Bedürfnisse unserer Mitglieder bemüht und setzen uns für ihre positive und solidarische Verankerung in unserer demokratischen Gesellschaftsordnung ein.

Die muslimische Lebensweise ist keineswegs der individuellen Identifikation als integrierter Teil der österreichischen Gesellschaft entgegengesetzt. Um diese Anerkennung zu festigen, muss der Dialog der politischen VerantwortungsträgerInnen mit den muslimischen InteressensvertreterInnen jedoch gepflegt und die Förderung verstärkter Teilhabe von MuslimInnen am gesellschaftlichen Leben unterstützt werden.

Leider müssen wir aktuell miterleben, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Die von Ihnen geführte öffentliche Debatte stilisiert den Islam und die österreichische Gesellschaft zu Gegenpolen und stigmatisiert pauschal alle MuslimInnen und ihre Einrichtungen als potenzielle Gefahr für die Gesellschaft und demokratische Rechtsordnung. Die veröffentlichte „Islamlandkarte“ nährt diese Verdachtskultur und schürt Misstrauen und Angst, statt für Transparenz und Aufklärung zu sorgen. In keinem Fall jedoch stellt sie ein wirksames Mittel zur Bekämpfung extremistischer Ideologien und Gruppierungen dar.

Wären Sie an einem ehrlichen Dialog interessiert, hätten Sie sich zumindest die Mühe machen müssen, im Vorfeld Ihrer Präsentation an die Islamische Glaubensgemeinschaft und unsere Kultusgemeinden heranzutreten, um etwaige Missverständnisse auszuräumen. Diese Chance ist nun leider vertan.

Wir schließen uns daher der Forderung des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Mag. Ümit Vural an: Nehmen Sie das Projekt vom Netz und riskieren Sie nicht weiter die Sicherheit unserer Einrichtungen und ihrer Mitglieder!

IGGÖ ad Islamlandkarte: Attacken gegen Moscheen – Landkarte muss unverzüglich offline gestellt werden!

IGGÖ ad Islamlandkarte: Attacken gegen Moscheen – Landkarte muss unverzüglich offline gestellt werden!

Seit spätestens gestern Abend sind die zu erwarten gewesenen Auswirkungen der von Bundesministerin Raab und der „Dokumentationsstelle für den Politischen Islam“ herausgegebenen „Islamlandkarte“ nicht mehr zu negieren:

Nachdem bereits in den vergangenen Tagen ein Anstieg islamfeindlicher Attacken auf Privatpersonen konstatiert werden konnten, mehren sich nun auch direkte Angriffe auf islamische Gotteshäuser. So haben rechtsextreme Gruppierungen Moscheen in Wien mit Schildern versehen, auf denen mit direktem Verweis auf die “Islamlandkarte“ vor eben diesen Einrichtungen gewarnt wird.

IGGÖ-Präsident Vural wiederholt heute erneut seine Forderung an die Politik: „Muslimische Einrichtungen befinden sich aufgrund der pauschalen Verurteilung und dem Schüren von Misstrauen in akuter Gefahr. Ich rufe die politischen Verantwortungsträgerinnen energisch dazu auf, diesem unwürdigen Kapitel der Islampolitik unverzüglich ein Ende zu setzen und ihrer Verantwortung für den Schutz der österreichischen Bürgerinnen und Bürger nachzukommen!“

„Moscheen sind Stätten des Gebets und der Andacht. Die Veröffentlichung ihrer Daten im Kontext der Arbeit der „Dokumentationsstelle Politischer Islam“ schafft keine Transparenz und stellt definitiv keinen Service für Musliminnen und Muslime dar – im Gegenteil: sie schürt Hass und fördert die Politik der Ausgrenzung. Als Islamische Glaubensgemeinschaft haben wir bereits Kontakt mit den Sicherheitsbehörden aufgenommen und diese um Schutz für unsere Einrichtungen angesucht“, so Vural abschließend.

IGGÖ ad „Dokumentationsstelle Politischer Islam“: Verknüpfung mit „Islamlandkarte“ bedenklich!

IGGÖ ad „Dokumentationsstelle Politischer Islam“: Verknüpfung mit „Islamlandkarte“ bedenklich!

Nach dem vor Kurzem beschlossenen Anti-Terror-Paket zeugt die heute medienwirksam präsentierte „Islamlandkarte“ der Universität Wien gemeinsam mit VertreterInnen der „Dokumentationsstelle Politischer Islam“ und Integrationsministerin Susanne Raab erneut von der evidenten Absicht der Bundesregierung, pauschal alle in Österreich lebenden MuslimInnen als potenzielle Gefahr für die Gesellschaft und demokratische Rechtsordnung im Land zu stigmatisieren.

„Die seit Gründung der Dokumentationsstelle bestehende Befürchtung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich einer politischen Einflussnahme und Instrumentalisierung der Wissenschaft hat sich heute bestätigt.“, erklärt IGGÖ-Präsident Ümit Vural.

Die als Durchbruch unterbreitete „Islamlandkarte“ ist ein seit 2012 bestehendes Projekt, in das die IGGÖ zu keinem Zeitpunkt eingebunden war. Die sich aktuell darauf befindlichen Information sind teilweise stark veraltet und unrichtig. Fatalerweise wurden auch die vom Projektleiter wohl mit dem Ziel der Legitimation eingeholten Stellungnahmen der aufgelisteten Kultusgemeinden der IGGÖ nicht berücksichtigt oder eingearbeitet. Eine tatsächliche Dialogbereitschaft darf daher angezweifelt werden.

Auch bei der Erstellung der drei Grundlagenpapiere der „Dokumentationsstelle Politischer Islam“ fand keinerlei Austausch mit der IGGÖ statt. Die Dossiers wurden ihr lediglich eine Stunde vor der Pressekonferenz übermittelt. Zu einer heutigen Podiumsdiskussion wurde die IGGÖ zwar eingeladen, ein Raum für einen eigenen Redebeitrag wird ihr dabei jedoch nicht eingeräumt.

„Das ist nicht mein Verständnis von Dialogbereitschaft und Austausch auf Augenhöhe. Die seit der Novellierung des Islamgesetzes im Jahr 2015 innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft angestoßenen Reformprozesse werden von den politischen AkteurInnen konsequent negiert. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, inwiefern diese Art der Politik zu einer Versachlichung der Debatte oder auch zur Förderung der sozialen Kohäsion beitragen soll. Das vermeintliche Ziel, MuslimInnen dabei zu unterstützen, als Teil der österreichischen Gesellschaft wahrgenommen zu werden, wird durch das Projekt vollkommen konterkariert.“, so Vural.

Tatsächlich befeuert die Kampagne nicht nur den kontinuierlich wachsenden Rassismus gegenüber MuslimInnen und als muslimisch gelesene Menschen, sondern setzt muslimische BürgerInnen einem massiven Sicherheitsrisiko aus. In den vergangenen Stunden haben sich zahlreiche besorgte FunktionärInnen, Vereinsvorstände, aber auch einfache Mitglieder der unterschiedlichen muslimischen Communities an die IGGÖ gewandt, deren Namen auf der „Islamlandkarte“ aufscheinen.

IGGÖ ad Anti-Terror-Paket: Irritation über den Alleingang der Bundesregierung

IGGÖ ad Anti-Terror-Paket: Irritation über den Alleingang der Bundesregierung

Mit Bedauern und auch mit Sorge nimmt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) das gestern präsentierte Ergebnis der Regierungsverhandlungen bezüglich des Anti-Terror-Pakets zur Kenntnis. Dieses definiert einen neuen Straftatbestand für „religiös motivierten Extremismus“, der aber explizit auf den sogenannten „Politischen Islam“ abzielt. Es ist aber insgesamt die gegenständliche Novellierung des Islamgesetzes im Kontext eines Terroranschlags, die die ablehnende Haltung der politischen VerantwortungsträgerInnen gegenüber der muslimischen Bevölkerung in Österreich unübersehbar zu Tage legt.

Schon während der parlamentarischen Begutachtungsphase konstatierten bereits anerkannte Kirchen und Religionsgesellschaften, internationale Organisationen wie die OSCE und Amnesty International sowie eine Vielzahl namhafter JuristInnen, auch der Rechtsanwaltskammertag und nicht zuletzt sogar das Bundesministerium für Justiz selbst, dass im vorgelegten Gesetzestextentwurf zum Islamgesetz eindeutig eine Schlechterstellung im Vergleich zu anderen religionsrechtlichen Spezialgesetzen sowie gravierende Eingriffe in das Grundrecht auf Religionsfreiheit und in die inneren Angelegenheiten der IGGÖ vorliegen. Die Bundesregierung jedoch scheint diesen kritischen Stellungnahmen trotz der ausgewiesenen Expertise ihrer VerfasserInnen keine Beachtung schenken zu wollen. Der Gesetzestext soll der Plenarsitzung des Nationalrates schon demnächst – ohne nennenswerte Veränderungen zum Erstentwurf – zur Abstimmung vorgelegt werden.

„Die angedachten Verschärfungen im Islamgesetz stigmatisieren und kriminalisieren pauschal alle in Österreich lebenden Musliminnen und Muslime. Sie zielen aus Sicht der IGGÖ zweifelsfrei auf eine Kontrolle der gesamten muslimischen Community in Österreich ab. Der Gesetzesentwurf wird von uns daher auch weiterhin explizit als diskriminierend abgelehnt“, hält IGGÖ-Präsident Ümit Vural fest.

Das Angebot der IGGÖ, unterschiedliche Rechtsmeinungen sowie die Erfahrungswerte bezüglich der Herausforderungen bei der Implementierung des Islamgesetzes von 2015 im Rahmen einer gemeinsamen Fachkonferenz mit unabhängigen FachexpertInnen zur Diskussion zu stellen, wurde vom zuständigen Ministerium rundweg abgelehnt. Präsident Vural kritisiert die gesamte Vorgehensweise des Novellierungsprozesses aufs Entschiedenste: „Es ist sehr irritierend, unerklärlich und bedauerlich, dass das zuständige Ministerium auf unser Angebot nicht eingehen wollte. Wenn man schon die Glaubensgemeinschaft nicht in die Novellierung ihres eigenen Gesetzes miteinbeziehen möchte, hätte man offene Fragen zumindest von unabhängigen ExpertInnen klären lassen können, um eine sinnvolle Verbesserung des Islamgesetzes zu erwirken.“

Sollte das Islamgesetz nun tatsächlich in der vorliegenden Form verabschiedet werden, hält Vural rechtliche Schritte für nicht ausgeschlossen. „Mir wäre es wirklich lieber, wenn nicht jede, unsere Glaubensgemeinschaft betreffende Regierungsentscheidung zuletzt vor Gericht geklärt werden müsste. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die politischen VerantwortungsträgerInnen doch einsehen, dass eine konstruktive Zusammenarbeit mit der IGGÖ für alle Beteiligten zielführender wäre und auf lange Frist – gerade was den Kampf gegen den Extremismus betrifft – unerlässlich ist.“, so der IGGÖ-Präsident abschließend.

IGGÖ ad Moscheeschließung: Schiedsgericht ortet mangelnde Begründung durch die Behörden – Rechtspersönlichkeit ist wiederherzustellen

IGGÖ ad Moscheeschließung: Schiedsgericht ortet mangelnde Begründung durch die Behörden – Rechtspersönlichkeit ist wiederherzustellen

Nach dem Terroranschlag vom 2. November 2020 hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) einer ihrer Moscheegemeinden vorsichtshalber die Rechtspersönlichkeit entzogen, nachdem die Behörden ihr gegenüber behauptet hatten, von der Gemeinde ginge im direkten Zusammenhang mit dem Anschlag akute Gefahr aus.

Das interne Schiedsgericht der IGGÖ hat nun jedoch nach sorgfältiger Prüfung des Falles festgestellt, dass die Behörden für diese Vorwürfe keine Beweise vorbringen können und daher den Beschluss der IGGÖ vom 6. November 2020 aufgehoben. Die Rechtspersönlichkeit der Moscheegemeinde ist folglich wiederherzustellen, um dieser die Wiederaufnahme von Kultushandlungen zu ermöglichen.

“Wie sich nun herausstellte, kann die an uns herangetragene Behauptung der Gefahr in Verzug nicht belegt werden. Genau diese Behauptung war es indes, aufgrund derer wir uns als Glaubensgemeinschaft zu einer zügigen Handlung zum Schutz der Gesellschaft und der Gemeinde gezwungen sahen. Die Schließung eines Gotteshauses muss in einem Rechtsstaat aber sachlich belegt sein und darf auf keinen Fall willkürlich erfolgen. Reine Beschuldigungen reichen ohne Beweise nicht aus.“, kommentiert IGGÖ-Präsident Ümit Vural die Entscheidung des Schiedsgerichts.

Nichtsdestotrotz sieht Vural Handlungsbedarf, was die betroffene Moscheegemeinde angeht: „Wir müssen uns als Gemeinschaft die Frage gefallen lassen, wie die Moschee überhaupt in den Verdacht der Behörden kommen konnte. Daher freut es mich, dass der Vorstand sich dazu bereiterklärt hat, unser erweitertes Betreuungsangebot in Anspruch zu nehmen, um eine transparentere Gemeindearbeit aufzubauen.“, so Vural abschließend.

IGGÖ ad Ramadan: Neue Kraft für die letzte Phase der Coronapandemie schöpfen

IGGÖ ad Ramadan: Neue Kraft für die letzte Phase der Coronapandemie schöpfen

Wien (OTS/IGGÖ) – Im Schatten der Coronapandemie begeht die muslimische Gemeinschaft weltweit am Dienstag, den 13. April 2021 den ersten Fastentag des diesjährigen islamischen Monats Ramadan. Laut GesundheitsexpertInnen deutet auch weiter nichts darauf hin, dass das Fasten das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus erhöhen könnte. Geistig und körperlich gesunde Menschen, die die religiöse Reife erreicht haben, können daher auch dieses Jahr wie gewohnt fasten. Für viele Gruppen wird das Fasten unabhängig von der Coronapandemie jedoch als nicht obligatorisch angesehen, beispielsweise unter Kindern, Personen mit körperlichen oder intellektuellen Einschränkungen, chronisch Kranken und Hochbetagten.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat bereits im März des vergangenen Jahres ein ausführliches Sicherheits- und Hygienekonzept für ihre rund 350 Moscheen österreichweit ausgearbeitet und regelmäßig überarbeitet. Die Bildung von Corona-Clustern in Moscheen konnte so bislang vermieden werden. Der aktuelle Leitfaden „Sicher durch den Ramadan“ sieht unter anderem das konsequente Einhalten von Sicherheitsabständen, das verpflichtende Tragen einer FFP2-Maske und der Verwendung eigener Gebetsteppiche sowie die regelmäßige Testung des Moscheepersonals vor. Einrichtungen indes, die die Einhaltung der strengen Präventionsmaßnahmen nicht gewährleisten können, wird dringend empfohlen, ihre Tore geschlossen zu halten.

„Der Schutz und die Gesundheit unserer Mitmenschen haben für uns weiterhin absolute Priorität. Den Fastenmonat Ramadan begehen wir daher unter größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen, schließlich liegt es auch im Interesse unserer Glaubensgemeinschaft, dass in unseren Gotteshäusern keine Ansteckungen stattfinden. Auf die Freude des gemeinschaftlichen Fastenbrechens in den Moscheen müssen wir in diesem Jahr folglich leider verzichten“, zeigt sich IGGÖ-Präsident Ümit Vural betroffen.

Wie lange die Maßnahmen Gültigkeit haben werden und ob die Verrichtung öffentlicher Gottesdienste bis zum Ende des Ramadans möglich sein wird, hängt maßgeblich von den Beschlüssen der Bundesregierung, den Empfehlungen der GesundheitsexpertInnen sowie der Beratung mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften ab.

Ein besonderes Anliegen der IGGÖ ist die Förderung der Impfbereitschaft der muslimischen Community, innerhalb derer kontroverse Debatten, was die Sicherheit und die Inhaltsstoffe der Corona-Schutzimpfung betrifft, geführt werden. „Der sicherste und effektivste Weg, sich selbst, unsere Mitmenschen und vor allem die am meisten gefährdeten Personen vor dem Coronavirus zu schützen, ist die Inanspruchnahme einer Schutzimpfung. Ich selbst werde mich daher aus einer solidarischen Haltung der Gesellschaft gegenüber jedenfalls impfen lassen“, betont Vural. Der theologische Beratungsrat der IGGÖ hat die Empfehlung, sich impfen zu lassen, bereits vor einigen Wochen ausgesprochen und hält nun auch ausdrücklich fest, dass der Erhalt einer Corona-Schutzimpfung das Fasten im Ramadan nicht bricht.

„Wir befinden uns in der hoffentlich letzten Phase einer kollektiven Anstrengung zur Bekämpfung der Coronapandemie in Österreich. Für alle Musliminnen und Muslime, die den Ramadan begehen, gilt es nun, aus dieser gesegneten Zeit im engsten familiären Kreis neue Kraft für die letzten Meter zu schöpfen. Im Namen unserer Glaubensgemeinschaft wünsche ich einen gesegneten Ramadan und all unseren Mitmenschen Gesundheit und Geduld für die kommenden Wochen“, so Vural abschließend.

Menschen, die mit den Auswirkungen der Coronakrise zu kämpfen haben und seelischen oder familiären Problemen gegenüberstehen, bietet die IGGÖ durch ihre psycho-soziale Beratungsstelle sowie der während der Pandemie neu eingerichteten Telefonseelsorge befähigte und verschwiegene GesprächspartnerInnen an, die ihnen bei der Bewältigung von Problemen beistehen und ihre Anonymität achten.

Diskursreihe „Muslimische Frauen als Akteurinnen von gesellschaftlichen Entwicklungen“

Diskursreihe „Muslimische Frauen als Akteurinnen von gesellschaftlichen Entwicklungen“

Am Donnerstag, den 11. März 2021 startet die Diskursreihe „Muslimische Frauen als Akteurinnen von gesellschaftlichen Entwicklungen: Leadership, Engagement & Aktivismus“ am Institut Islamische Religion der KPH Wien/Krems.

Muslimischen Frauen werden allzu oft bestimmte Rollenbilder und Klischees zugeschrieben. In dieser Diskursreihe setzen sich muslimische Frauen unterschiedlicher Expertisen selbst mit Geschlechterrollen in den islamischen Primärquellen, mit dem Thema Leitungspositionen in muslimischen Einrichtungen, sowie mit praktischen Projekten und Möglichkeiten von selbstbestimmtem Empowerment auseinander. Abschließend diskutieren und reflektieren Religionspädagog*innen aus interreligiöser Perspektive über die Herausforderungen und Chancen eines gendersensiblen Religionsunterrichts.

Sowohl die Vorsitzende des neu konstituierten Referats für Gleichbehandlung und Frauenförderung der IGGÖ, Elif Dagli als auch Amina Baghajati, Schulamtsleiterin der IGGÖ, sind im Podium vertreten.

Die Diskursreihe erstreckt sich über das gesamte Sommersemester.

Zum detaillierten Programmheft

Die Veranstaltungen finden online statt. Der Veranstaltungslink wird nach Anmeldung zugesendet.

Rückfragen & Kontakt:

Anmeldung:
Dr. Wolfgang Bauer: wolfgang.bauer(at)kphvie.ac.at

IGGÖ ad Weltfrauentag: Gleichbehandlungsstelle nimmt Arbeit auf

IGGÖ ad Weltfrauentag: Gleichbehandlungsstelle nimmt Arbeit auf
Neues Referat für Gleichbehandlung und Frauenförderung soll gleichwertige Beteiligung und Sichtbarkeit von Frauen vorantreiben

Wien (OTS/IGGÖ) – Der heutige Weltfrauentag würdigt den Einsatz all jener Frauen, die sich oft gegen erheblichen Widerstand für Chancengleichheit und Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen. Zwar sind die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegungen zweifellos beträchtlich, aber sie greifen bei weitem nicht in allen Lebensbereichen. Ein Blick auf die Besetzung von Führungspositionen verdeutlicht diese Asymmetrie. Die Situation von Musliminnen bildet innerhalb dieser gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse keine Ausnahme.

Auf das bestehende Ungleichgewicht reagiert nun auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Zwar ist der Frauenanteil an wichtigen Schlüsselpositionen innerhalb der Glaubensgemeinschaft in den letzten Jahren stetig gestiegen, in ihren politischen Gremien sind Frauen dennoch immer noch unterrepräsentiert. Das musste auch Präsident Ümit Vural nach dem Rücktritt der Frauensprecherin der IGGÖ im vergangenen Sommer eingestehen. Als unmittelbare Folge wurden in einem ersten Schritt drei Posten mit kompetenten jungen Frauen im höchsten Entscheidungsgremium, dem Oberster Rat besetzt.

Nach einem mehrmonatigen Arbeitsprozess schlossen diese Frauen schließlich vergangene Woche die Vorbereitungen für die Konstituierung des neuen „Referats für Gleichbehandlung und Frauenförderung“ der IGGÖ ab, das sich der Auseinandersetzung mit genderspezifischen Aspekten innerhalb der IGGÖ, der muslimischen Community und der Gesamtgesellschaft widmen wird.

„Das Referat wird zur Sensibilisierung für Frauenanliegen und die Gleichstellung von Frauen und Männern beitragen, indem es geschlechterspezifische Benachteiligungen, Diskriminierung und Problemlagen innerhalb der IGGÖ sichtbar macht,“ so Elif Dagli, Vorsitzende des Referats. Ihr Team soll Strategien entwickeln, um den Zugang von Frauen zu islamischen Institutionen sowie die gleichberechtigte Beteiligung an der Gestaltung, Organisation und Führung der muslimischen Gemeinschaft zu erwirken.

„Unsere Gemeinschaft kann es sich nicht länger leisten, auf die Talente und Fähigkeiten der Hälfte ihrer Mitglieder zu verzichten. So ist es uns besonders wichtig, dass das möglichst vielfältige Team völlig unabhängig von Verbänden, die der IGGÖ angehören, agieren kann,“ resümierte auch Arefe Yildiz, die gemeinsam mit Dagli den Vorsitz innehat.

„Unsere Glaubensgemeinschaft ist nur dann für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet, wenn sie dazu bereit ist, althergebrachte Ansichten und Verhaltensmuster kritisch zu hinterfragen. Daher bin ich sehr froh, dass mit der Einrichtung des neuen Referats Frauen innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft durch die faktische Übernahme von Verantwortung, Einflussnahme und Selbstbestimmung ein starkes Zeichen setzen werden,“ zeigt sich Präsident Vural anlässlich der Konstituierung des neuen Referats erfreut. Er hofft mit dieser neuen Einrichtung innerhalb der IGGÖ der Umsetzung seines Antrittsversprechens, die gleichwertige Beteiligung von Frauen und Männern in allen Bereichen der muslimischen Gemeinschaft zu erwirken, einen Schritt nähergekommen zu sein.

Veranstaltungstipp:
Diskursreihe „Muslimische Frauen als Akteurinnen von gesellschaftlichen Entwicklungen: Leadership, Engagement & Aktivismus
Die Veranstaltungen finden online statt.

IGGÖ ad Kommissionsbericht: Deradikalisierungsarbeit jetzt reformieren!

IGGÖ ad Kommissionsbericht: Deradikalisierungsarbeit jetzt reformieren!

Wien (OTS/IGGÖ) – Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) setzt sich seit Jahren sowohl gesamtgesellschaftlich, als auch speziell im Strafvollzug aktiv gegen Radikalisierung und Extremismus ein. Sowohl die wichtige Präventionsarbeit der islamischen Gefängnisseelsorge als auch die facettenreiche Tätigkeit der Kontaktstelle für Extremismusprävention und Deradikalisierung der IGGÖ werden dabei zum größten Teil ehrenamtlich erbracht. Bedauerlicherweise wird diese wertvolle Arbeit indes weder gewürdigt noch ausreichend gefördert.

„Der Endbericht der Untersuchungskommission zeigt deutlich, dass eine Umstrukturierung der Extremismusprävention und Deradikalisierungsarbeit dringend notwendig ist. Als Glaubensgemeinschaft bieten wir den Behörden zum wiederholten Male unsere Unterstützung an“, erklärt IGGÖ-Präsident Ümit Vural.

Die fehlende Einbindung der IGGÖ im Umgang mit extremistischen Personengruppen seitens der Sicherheitsbehörden und des Justizministeriums hat in der Vergangenheit bereits zu Kritik geführt. „Ich ersuche die politischen VerantwortungstägerInnen daher, die Erkenntnisse der Untersuchungskommission zum Anlass zu nehmen, einen Neuanfang zu starten und die Zusammenarbeit mit der IGGÖ zu intensivieren“, so Vural abschließend.

IGGÖ ad Aslan: Die Islamische Glaubensgemeinschaft ersucht Universität um Stellungnahme

IGGÖ ad Aslan: Die Islamische Glaubensgemeinschaft ersucht Universität um Stellungnahme

Wien (OTS/IGGÖ) – Univ. Prof. Dr. Ednan Aslan hat sich gestern im Namen der VertreterInnen des Fachbereichs Islamische Religionspädagogik am Institut für Islamisch-Theologische Studien der Universität Wien mit einer Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zur Novellierung des Islamgesetzes gemeldet. Er greift darin die Tätigkeit der Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) an, spricht ihr die Vertretungsbefugnis der österreichischen MuslimInnen ab und wirft ihr vor, Handlanger ausländischer Geldgeber zu sein. Tatsächlich ist Prof. Aslan seit 13 Jahren nicht mehr in der IGGÖ engagiert und hat somit keinen Einblick in die Gebarung und den eingeschlagenen Reformprozess der IGGÖ.

Die IGGÖ weist die Vorwürfe Aslans aufs Entschiedenste zurück und zeigt sich befremdet, dass sich ein Religionspädagogisches Institut der Universität Wien ohne fundiertes Wissen um die Tätigkeit der IGGÖ öffentlich für eine Schlechterstellung einer staatlich anerkannten Religionsgesellschaft ausspricht. Die IGGÖ ersucht den Rektor der Universität Wien sowie den Vorstand des Instituts, der nach eigener Aussage nicht über die Initiative Aslans informiert war, um Aufklärung des Sachverhaltes.

IGGÖ zur Aufnahme von Flüchtlingen: Genug der hässlichen Bilder!

IGGÖ zur Aufnahme von Flüchtlingen: Genug der hässlichen Bilder!

Wien (OTS/IGGÖ) – Die griechischen Inseln sind leider nicht der einzige Ort, an dem sich die europäische Politik aktuell aus ihrer Verantwortung zieht. So schließt sich der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural in seinen Weihnachtsgrüßen heute den zahlreichen Aufforderungen unterschiedlicher kirchlicher und politischer Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Personen des öffentlichen Lebens an, die griechischen Elendslager endlich zu evakuieren.

“Viele Gemeinden haben bereits konkrete Angebote gemacht oder ihre Bereitschaft signalisiert, die Aufnahme Geflüchteter durch deren Aufnahme zu unterstützen. Auch die muslimische Gemeinschaft steht bereit, sich in ihrer Betreuung zu engagieren”, sichert Vural zu.

Eine fehlende gesamteuropäische Flüchtlingspolitik ist keine Entschuldigung für den dramatischen Notstand in den Lagern. Dass die unmenschlichen Lebensbedingungen als Abschreckung für weitere Flüchtlinge politisch nicht nur geduldet, sondern sogar gewollt herbeigeführt sind, darf gesellschaftlich nicht länger toleriert werden.

Das Vorenthalten medizinischer Versorgung, der Entzug menschenwürdiger Unterkünfte, die Verweigerung fairer Asylprozesse und das illegale gewaltsame Zurückdrängen von Flüchtlingen stellen eine unerträgliche Missachtung der Europäischen Menschenrechtskonvention dar. „Wir haben genug von den hässlichen Bildern! Als Europäer berufen wir uns zurecht auf humanitäre Werte: Menschenwürde, Nächstenliebe und Barmherzigkeit kennen weder Herkunft, Religion, noch Staatsgrenzen“, so Vural.

Die IGGÖ fordert daher die politischen EntscheidungsträgerInnen dazu auf, der Demütigung der Schutzsuchenden unverzüglich ein Ende zu setzen und der Aufnahme eines adäquaten Kontingents Geflüchteter, die sich derzeit in griechischen Lagern befinden, zuzustimmen.

IGGÖ ad „Kopftuchverbot“: VfGH beendet populistische Verbotspolitik

IGGÖ ad „Kopftuchverbot“: VfGH beendet populistische Verbotspolitik

Wien (OTS/IGGÖ) – Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat am Freitagnachmittag seine Entscheidung bezüglich des sogenannten „Kopftuchverbots“ an Volksschulen bekanntgegeben. Gegen die im Mai 2019 erfolgte Änderung des Schulunterrichtsgesetzes hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) im Jänner 2020 Beschwerde eingebracht.

IGGÖ-Präsident Ümit Vural hat von Anfang an betont, dass mit der Beschwerde nicht das verfrühte Tragen eines Kopftuchs bei Kindern oder ein elterlicher Zwang diesbezüglich verteidigt werden solle: „Die IGGÖ ist gegen Zwang jeglicher Form. Weder heißen wir eine abwertende Haltung gegenüber Frauen gut, die sich aus persönlicher Überzeugung gegen das Kopftuch entscheiden, noch können wir der Einschränkung der Religionsfreiheit jener Musliminnen zustimmen, die das Kopftuch als integralen Bestandteil ihrer gelebten Glaubenspraxis verstehen.“

Die Beschwerde richtete sich gegen die Aushebelung der durch die Verfassung garantierten Grundrechte, der Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit sowie der Gleichheit vor dem Gesetz. „Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs beweist, dass unser Vertrauen in den Rechtsstaat und unsere Geduld sich ausgezahlt haben“, zeigt sich Vural zufrieden.

„Die Durchsetzung der Chancengleichheit und Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft erreicht man nicht durch Verbote“, bekräftigt der IGGÖ-Präsident noch einmal seinen Standpunkt, „sondern durch die Stärkung der Menschen-, Frauen- und Kinderrechte und die Förderung des Bewusstseins, dass Zwang niemals zulässig ist.“

Er werde auch weiterhin das uneingeschränkte Bekenntnis zu den Grundrechten aller BürgerInnen in Österreich einfordern, ungeachtet ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe, Geschlecht oder des sozialen Status. Gleichzeitig appelliert die IGGÖ an politische EntscheidungsträgerInnen, Maßnahmen zu ergreifen, um die zunehmend rassistischen Tendenzen in Österreich einzudämmen, die einer sozialen Kohäsion entgegenstehen.

IGGÖ ad Coronavirus: Aussetzung der Gemeinschafts- und Freitagsgebete in Moscheen

IGGÖ ad Coronavirus: Aussetzung der Gemeinschafts- und Freitagsgebete in Moscheen

Wien (OTS/IGGÖ) – Die Bundesregierung hat angesichts des dramatischen Anstiegs der Infektionen mit dem Coronavirus in Österreich vergangenen Samstag Maßnahmen formuliert, die das öffentliche Leben in Österreich erneut drastisch einschränken.

Bei einer Videokonferenz haben heute Vormittag die VertreterInnen aller anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften entschieden, als Selbstverpflichtung und aus einem Verantwortungsbewusstsein der Gesellschaft gegenüber heraus, alle Aktivitäten in den religiösen Gemeinden für die nächsten Wochen weitestgehend auszusetzen. „Wie schon seit Beginn der Pandemie haben wir als Religionsgemeinschaften einen gemeinsamen Weg gefunden und werden diesen Weg auch in den kommenden Wochen gemeinsam gehen“, so Präsident Ümit Vural.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich setzt daher die Gemeinschafts- und Freitagsgebete in allen Moscheen österreichweit ab Dienstag, den 17. November 2020 bis einschließlich Sonntag, den 6. Dezember 2020 aus. „Im Islam spielt die gemeinsame Verrichtung des Gebets, die Zusammenkunft als Gemeinschaft in der Moschee eine besondere Rolle. Dennoch gilt unsere größte Sorge nun dem Wohle und der Gesundheit unserer Mitmenschen“, erklärt der Präsident die Entscheidung.

Aus islamischer Sicht gilt die Verpflichtung zur Durchführung des Freitagsgebets als aufgehoben, wenn Krankheit oder Sorge um Gesundheit und Leben vorliegen. Ausnahmslos alle Moscheen und Imame sind daher dazu angehalten, sich an die Maßnahmen zu halten. Über Online-Angebote und digitale Kommunikationskanäle soll wie schon im Frühjahr der Kontakt zu Gemeindemitgliedern aufrecht erhalten bleiben. Die Tore der Moscheen bleiben für das persönliche Gebet und seelsorgerische Dienste weiterhin geöffnet, denn gerade in Zeiten wie diesen brauchen viele Menschen den seelischen und spirituellen Zuspruch ganz besonders.

Präsident Vural ruft die muslimische Gemeinschaft dazu auf, den Forderungen der Bundesregierung uneingeschränkt nachzukommen: „Ich bitte alle Musliminnen und Muslime, die angeordneten Schutzmaßnahmen einzuhalten, auf größere Zusammenkünfte auch innerhalb der Familie so weit wie möglich zu verzichten und all jenen Personen, die diese benötigen, jetzt vermehrt ihre Unterstützung zukommen zu lassen.“

Österreichweit wird heute in Moscheen den Opfern des Terroranschlags gedacht

Österreichweit wird heute in Moscheen den Opfern des Terroranschlags gedacht

Wien (OTS/IGGÖ) – Wenige Tage nach dem brutalen Anschlag in der Wiener Innenstadt befindet sich die muslimische Bevölkerung gemeinsam mit dem ganzen Land noch immer in einem Zustand der Fassungslosigkeit und des Schmerzes. In den vergangenen Tagen ist die österreichische Bevölkerung in Trauer zusammengerückt, die Spitzen der Kirchen und Religionsgemeinschaften haben ihre Verbundenheit demonstriert und auch die Bundesregierung hat mit ihren besonnenen Worten ihren Beitrag dazu geleistet, die Gesellschaft vor einer Spaltung zu bewahren.

“Nun, da uns der Terror vor unserer eigenen Haustür erreicht hat, ist es den österreichischen MuslimInnen mehr denn je ein Anliegen, den Missbrauch ihrer Religion für die Verbreitung von Gewalt und Terror zu verurteilen und ihrem tief empfundenen Mitgefühl Ausdruck zu verleihen. Diesen Geist des Zusammenhalts in die Zukunft zu tragen ist unsere gemeinsame Verantwortung“, gibt sich IGGÖ-Präsident Vural hoffnungsvoll.

In den österreichweit rund 350 Moscheen der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) wird heute daher im Rahmen des Freitagsgebets den Opfern des Terroranschlags von Montagabend gedacht. In einer einheitlichen Predigt werden die MuslimInnen dazu aufgerufen, für Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten, die Vielfalt unserer Gesellschaft als gottgewollt zu begrüßen und ihre Stimme zu erheben, um den Grundwerten des Islam entsprechend Vertrauen durch ihre Worte und Taten aufzubauen. All dies im Sinne der Überlieferung des Propheten Muhammad: „Der Muslim ist derjenige, von dessen Zunge und Hand die Menschen in Sicherheit sind.“

IGGÖ entzieht Moscheegemeinde Rechtspersönlichkeit

IGGÖ entzieht Moscheegemeinde Rechtspersönlichkeit

An die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) sind heute Vormittag Informationen herangetragen worden, die aufzeigen, dass eine bei ihr registrierte Moscheegemeinde gegen ihre Glaubenslehre und Verfassung sowie das Islamgesetz von 2015 verstößt.

Um eine etwaige Gefahr in Verzug abzuwenden, hat die IGGÖ unmittelbar die Rechtspersönlichkeit dieser Moscheegemeinde aufgehoben und dies dem Kultusamt mitgeteilt.

„Religionsfreiheit ist ein hohes Gut in unserem Land, das wir vor Missbrauch schützen müssen und schützen werden – auch vor jenem aus den eigenen Reihen! Daher haben wir in Absprache mit den zuständigen Behörden die Schließung einer Moscheegemeinde angeordnet”, so IGGÖ-Präsident Vural in einem ersten Statement.

Islamische Glaubensgemeinschaft verurteilt Terroranschlag in Wien aufs Schärfste

Islamische Glaubensgemeinschaft verurteilt Terroranschlag in Wien aufs Schärfste

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) ist zutiefst erschüttert und fassungslos ob der unfassbaren Gräueltaten, die sich in der vergangenen Nacht in den Wiener Innenstadt abgespielt haben.

Wir alle kennen die Meldungen, die furchtbaren Bilder von Terroranschlägen aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Jetzt hat uns der Terror erstmals in unserer Bundeshauptstadt Wien heimgesucht. Diese brutale Tat war ein Angriff auf unsere Gesellschaft als Ganzes, gegen unser Land, gegen unsere gemeinsamen Werte, unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere liberale Rechtsordnung. Der Täter hat dabei wahllos auf Menschen geschossen, ohne zu differenzieren. Die Ideologie, die ihn dabei geleitet hat, ist eine gewaltverherrlichende, eine entmenschlichende, die dem moralischen und religiösen Verständnis des Islam diametral entgegensteht.

„Es gibt Extremisten unter den Muslimen, so wie es Extremisten in allen Teilen der Gesellschaft gibt. Aber diese Terroristen pervertieren unsere Religion. Sie teilen unsere Vorstellungen des Friedens und der Freiheit, unseren Glauben in eine pluralistische Gesellschaft nicht. Sie titulieren uns, die offizielle Vertretung der MuslimInnen in Österreich als Verräter und konterkarieren mit ihren Taten unsere tagtäglichen Bemühungen für das friedliche Zusammenleben aller BürgerInnen in unserem Land“,  stellt Präsident Vural klar.

Wichtiger denn je erscheint nun der gesellschaftliche Schulterschluss, der Zusammenhalt und die Solidarität. „Die Terroristen wollen eine Spaltung unserer Gesellschaft bezwecken. Das dürfen wir nicht zulassen. Jeder Schritt, der uns als Gesellschaft entzweit, ist ein Sieg für die Verbrecher, die diesen Anschlag verübt haben. Jeder Schritt, der zur Einheit und gegenseitigem Respekt führt, ist hingegen ein Schritt in eine friedliche Gesellschaft, die sich resilient zeigen kann gegen solche abscheulichen Spaltungsversuche“, bekräftigt Dr. Nadim Mazarweh, Leiter der Kontaktstelle für Extremismusprävention und Deradikalisierung der IGGÖ die Stellungnahme Vurals.

Die Bemühungen, radikale Tendenzen und die aufgeheizte einzudämmen, müssen als eine gesamtgesellschaftliche Bemühung verstärkt werden. Die IGGÖ steht mit all ihren Ressourcen und ihrer Expertise zur Verfügung und hält als Teil der österreichischen Gesellschaft ihre Hand ausgestreckt für all diejenigen, die mit ihr Seite an Seite im gemeinsamen Kampf zum Schutz unserer Freiheit und Demokratie stehen möchten.

„Ich möchte im Namen unserer Glaubensgemeinschaft allen unmittelbar Betroffenen unser tiefstes und aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken, den Verletzten unsere Genesungswünsche übermitteln und uns bei den Sicherheits- und Rettungskräften für Ihren Einsatz bedanken“, so Präsident Vural abschließend.

IGGÖ ad Coronavirus: Erneute Verschärfung der Schutz- und Hygienemaßnahmen für Moscheen und islamische Einrichtungen

IGGÖ ad Coronavirus: Erneute Verschärfung der Schutz- und Hygienemaßnahmen für Moscheen und islamische Einrichtungen

In den vergangenen Tagen ist die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen dramatisch gestiegen. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern und das Gesundheitssystem nicht in Bedrängnis zu bringen, hat die Bundesregierung erneut einschneidende Maßnahmen im Kampf gegen das Virus geschaffen. Zwischen Kultusministerium und den Kirchen und Religionsgesellschaften wurde jedoch vereinbart, dass öffentliche Gottesdienste unter einer drastischen Verschärfung der Schutz- und Hygienemaßnahmen weiterhin abgehalten werden dürfen.

Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen und die damit verbundenen Beschränkungen und Vorschriften unterstützt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich uneingeschränkt. Sie hat daher ihren Einrichtungen einen ab Dienstag, den 3. November 2020 geltenden Leitfaden für die gemeinschaftliche religiöse Praxis in ihren Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Dieser soll den österreichischen MuslimInnen auch in der aktuell besorgniserregenden Situation einen sicheren Rahmen für das Gebet in der Gemeinschaft ermöglichen.

Einrichtungen jedoch, die die Einhaltung der Maßnahmen nicht gewährleisten können, sind dazu angehalten, diese für die kommenden Wochen geschlossen zu halten. „Vor allem älteren Personen und Angehörigen von Risikogruppen empfehlen wir dringend, Moscheebesuche in der nächsten Zeit zu meiden und ihre Gebete zuhause zu verrichten“, sagt IGGÖ-Präsident Vural. Moscheegemeinden sollen wie bereits im Frühjahr Online-Angebote schaffen und über digitale Kommunikationskanäle mit ihren Gemeindemitgliedern in Verbindung bleiben. Neben der Nachbarschaftshilfe für MitbürgerInnen, die einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sowie jenen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden wird ein besonderer Augenmerk auf die verstärkte seelsorgerische Unterstützung in diesen herausfordernden Zeiten gelegt.

Präsident Vural: „Diesbezüglich weise ich auf unser neues Angebot der Telefonseelsorge hin, die allen Ratsuchenden zu festen Zeiten die Möglichkeit bietet, befähigte und verschwiegene Gesprächspartner zu finden, die sie in ihrer jeweiligen Situation ernst nehmen, ihnen im Krisenfall beistehen und ihre Anonymität achten.