Ethische Dimensionen des islamischen Religionsunterrichts

Ethische Dimensionen des islamischen Religionsunterrichts

Mit der Einführung des Ethikunterrichts rücken auch die Leistungen des Religionsunterrichts in den Fokus. Was kann guter Religionsunterricht bewirken, um junge Menschen aufs Leben vorzubereiten und dabei zu stärken?

Das Schulamt der IGGÖ hat dazu die ethischen Dimensionen des Islamischen Religionsunterrichts der höheren Schulklassen herausgearbeitet. Bei einer Pressekonferenz am 7. Juni wurde eine gemeinsame Erklärung zu Religions- und Ethikunterricht des BMBWF und Vertreter*innen der Kirchen und Religionsgesellschaften präsentiert. Dabei war Gelegenheit, die Thematik aus muslimischer Perspektive darzustellen:

„Im RU stehen die Schüler*innen mit ihren aus ihrer Lebenswirklichkeit resultierenden Fragen im Mittelpunkt. Guter Religionsunterricht trägt zu in den Zielbestimmungen österreichischer Schule festgehaltenen Werten bei – Offenheit, Dialogfähigkeit, Pluralitätsfähigkeit. So präsent wie „Islam“ im öffentlichen Diskurs ist, bringt das vor allem das Bedürfnis mit sich, für sich selbst Klarheit zu gewinnen. Denn Außensicht und Innenwahrnehmung klaffen auseinander. Da geht es auch um Identität. In einer Kultur offenen, dialogischen Austausches entsteht Bewusstsein für Vielfalt, auch innere Vielfalt. Und dass es zusammengeht, sich gleichzeitig als muslimisch wahrzunehmen und zu Werten wie Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Grund- und Freiheitsrechten zu stehen.“ (Präsident Ümit Vural)

„Meiner Meinung nach bringt der Ethikunterricht natürlich viele Vorteile mit sich, aber meiner jüngeren Schwester würde ich den islamischen Religionsunterricht mehr empfehlen. Denn gerade für junge Musliminnen entstehen viele Fragen im Alltag, besonders weil auf der einen Seite Islam ein Thema ist, das in den Medien sehr präsent ist und auf der anderen Seite das weibliche Geschlecht es allgemein schwieriger hat, besonders wenn man ein Kopftuch trägt. Ich habe im Religionsunterricht immer die andere Seite meiner Religion, die durch die Medien oft nicht repräsentiert wird, gelernt z.B. wie wichtig und respektiert Frauen sind, deshalb würde ich’s super finden, wenn die jungen Menschen weiterhin eine Möglichkeit haben, ihre Religion besser kennenzulernen und darauf vorbereitet sind, in der Zukunft Missverständnisse klarzustellen.  Natürlich würden viele Themen sich gut dafür eignen, in einer gemischten Gruppe diskutiert zu werden z.B. könnten Ethiklehrer und Religionslehrer gemeinsame Stunden vorbereiten. Das wäre sowohl interessant als auch lehrreich.“ (Maryam Rachidi, maturierte gerade am BORG 3 in Wien)

IGGÖ ad Islamgesetz: Klares Nein zu Regierungsplänen

IGGÖ ad Islamgesetz: Klares Nein zu Regierungsplänen

Wien (OTS/IGGÖ) – “Reformieren, aber richtig!”  mit dieser Begründung lehnt Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf zur Änderung des IslamG ab. Die bereits seit der Novellierung 2015 bestehen Probleme würden nur weiter verschärft, sinnvolle Verbesserungen fehlen im Gesetzestext hingegen komplett: „Es wäre aus unserer Sicht verantwortungslos, einem solch unausgegorenen Vorschlag zuzustimmen.“, resümiert Vural.

Der vorgelegte Gesetzesentwurf enthält eine bedeutende Schlechterstellung im Vergleich zu religionsrechtlichen Spezialgesetzen anderer staatlich anerkannter Kirchen und Religionsgesellschaften sowie gravierende und nicht akzeptable Eingriffe in das Grundrecht auf Religionsfreiheit und in die inneren Angelegenheiten der IGGÖ. „Das Islamgesetz muss dringend von allen diskriminierenden und sicherheitsrechtlichen Aspekten befreit werden, damit es endlich funktionieren kann”, ist Vural überzeugt. Er fordert eine konsequente und strikte Trennung zwischen sicherheitspolizeilichen und religionsrechtlichen Regelungen.

Die IGGÖ ruft die Bundesregierung daher in ihrer dem Parlament übermittelten Stellungnahme dringend dazu auf, die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen in ihrer Gesamtheit zu verwerfen und zu einer gemeinsamen und konsensorientierten Novellierung des IslamG mit der IGGÖ zurückzukehren.

„Ich möchte explizit festhalten, dass der Kampf gegen Terror und Extremismus nur gemeinsam bewältigt werden kann. Die Novellierung eines Religionsgesetzes im Kontext von Terrorbekämpfung konterkariert indes alle Bemühungen in diese Richtung und erfolgt ausdrücklich gegen den Willen der Islamischen Glaubensgemeinschaft.“, so Vural abschließend.

Neuer COVID-19 Leitfaden der IGGÖ

Schutz- und Hygienemaßnahmen für Moscheen und islamische Einrichtungen in Österreich
gültig ab 23. Oktober 2020

Aufgrund der erneut stark ansteigenden Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Österreich wurde von der Bundesregierung eine Verschärfung der Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus beschlossen.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich stellt im Folgenden ihren Kultusgemeinden, Moscheegemeinden, Fachvereinen bzw. allen in Österreich lebenden MuslimInnen einen unter Beachtung der angeordneten Rahmenbedingungen ausgearbeiteten und ab 23. Oktober 2020 geltenden Leitfaden für die gemeinschaftliche religiösen Praxis in ihren Einrichtungen zur Verfügung.

Dieser Leitfaden versteht sich als Empfehlung für moscheeführende Gemeinden, wie die von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Es gilt das Prinzip der Eigenverantwortung. Die Moscheevorstände, Imame und das Moscheepersonal haben dabei stets auf die Einhaltung der Schutz- und Hygienemaßnahmen zu achten.

Ich möchte mich bei allen Obleuten, Imamen und freiwilligen HelferInnen bedanken, die auch bislang die Vorgaben der Bundesregierung und die Empfehlungen der IGGÖ mit großem Pflichtbewusstsein umgesetzt haben. Sie ermöglichen damit ihren Gemeinden einen sicheren Rahmen für das Gebet in der Gemeinschaft. Mein Dank gilt darüber hinaus den österreichischen MuslimInnen, die die strikten Maßnahmen verständnisvoll aufgenommen haben und verlässlich umsetzen.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Verständnis und Ihre Kooperationsbereitschaft!

Mag. Ümit Vural
Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich