Statement des Präsidenten zu den Lockerungen ab 29. Mai

Meine sehr verehrten Damen und Herren, geschätzte Geschwister!

Die Corona-Krise und die vielen plötzlichen Entscheidungen darauf haben binnen weniger Tage unseren Alltag, unser Berufsleben, unser soziales und unser religiöses Leben drastisch verändert. Plötzlich war nichts mehr selbstverständlich, nicht einmal Freunden die Hände zu schütteln und die eigenen Eltern zu umarmen.

Die weltweit rasante Ausbreitung des Virus und die von der Politik getroffenen Entscheidungen haben die Menschen stark verunsichert. Viele fragten sich „Was passiert da mit unserer Welt, was passiert mit unserem Land, mit unseren Familien?“

Die Corona-Krise hat auch uns als Glaubensgemeinschaft überrascht. Plötzlich wurden wir herausgerissen aus unserem Treiben, mussten lang geplante Projekte von einem Tag auf den anderen auf Eis legen und uns neu organisieren. Wie viele andere mussten wir mit den uns zur Verfügung stehenden Informationen und Ressourcen innerhalb weniger Tage ein Krisenmanagement entwickeln, das nie zuvor erforderlich gewesen war. Wir mussten unter wahnsinnigem Zeitdruck selbst erst lernen, wie wir mit der Situation umgehen sollen. Dazu haben wir Expertinnen und Experten unterschiedlicher Bereiche konsultiert, uns mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften beraten und sind mit der Bundesregierung im konstanten Austausch gestanden. Die fehlende Erfahrung mit COVID-19 führte bei allen zu großen Unsicherheiten in den Prognosen.

Aber eines wussten wir von Anfang an: Wir wollten die behördlichen Maßnahmen mittragen und Verantwortung für das Wohl unserer Gläubigen, unserer Mitmenschen und unser Land übernehmen. Die von der Glaubensgemeinschaft beschlossenen Maßnahmen waren keine, die uns von der Bundesregierung aufgezwungen wurden, sondern jene, die aus unserer Sicht notwendig waren, um andere Menschen vor schlimmen oder sogar lebensbedrohlichen Folgen einer Infektion zu schützen. Die Erläuterungen unseres theologischen Beratungsrates, die Zustimmung der durch die im Obersten Rat vertretenen Kultusgemeinden und der Zusammenhalt, der innerhalb der muslimischen Community rasch zu beobachten war, hat uns dabei stets gestärkt.

Erfreulicherweise haben die zunächst radikal erscheinenden Maßnahmen des Lockdowns Früchte getragen. Dramatische Entwicklungen bei der Krankenstatistik sind uns erspart geblieben. Und so dürfen wir uns in Österreich nun Schritt für Schritt auf die Wiederaufnahme unseres Alltags vorbereiten. Nun aber werden auch teilweise Stimmen laut, die die getroffenen Maßnahmen als übertrieben empfunden haben. Im Nachhinein ist es natürlich immer leicht etwas zu kritisieren. Was aber wäre gewesen, wenn wir uns nicht derartig eingeschränkt haben? Wo würden wir heute stehen? Das weiß nur Gott alleine.

11 Wochen sind vergangen, seit wir uns als Islamische Glaubensgemeinschaft gezwungen sahen, die Aussetzung der öffentlichen Gottesdienste in unseren Moscheen zu verkünden. Unser Anliegen war dabei natürlich von Anfang an, die Moscheen so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Jedoch stets unter der Voraussetzung, dass die Öffnung keine Gefahr für Gesundheit und Leben darstellt. Und auch wenn wir die Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Religionen immer mitgetragen haben, so ist es uns dennoch wesentlich, dass wir regelmäßig evaluieren, ob Einschränkungen in der gegenwärtigen Situation noch verhältnismäßig sind.

Am 15. Mai haben wir mit der schrittweisen Öffnung unserer Moscheen begonnen und dafür unsere Empfehlungen formuliert. Drei Wochen des Ramadan mussten wir auf die gemeinschaftlichen Gebete verzichten, bevor wir mit dem Morgen-, Mittags- und Nachmittagsgebet gestartet haben. Seit vergangenen Sonntag wurden auch die Abend- und Nachtgebete wiederaufgenommen.

Die letzte große Einschränkung stellt für uns als Musliminnen und Muslime also die Wiederaufnahme der Freitagsgebete dar. Die Hürde dafür ist die von der Regierung beschlossene 10-Quadratmeter-Regelung. Und so freue ich mich sehr, Ihnen heute verkünden zu dürfen, dass die vielen Gespräche mit der zuständigen Ministerin und dem ihr unterstellten Kultusamt erfolgreich waren und diese Regelung nun auch fällt. Somit können wir ab diesem Freitag, den 29. Mai, die Freitagsgebete in unseren Moscheen wiederaufnehmen. Freilich unter Einhaltung des nötigen Abstandes und den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen.

Liebe Geschwister! Die Corona-Krise war eine große Herausforderung für uns alle. Ihre Folgen und Auswirkungen werden uns noch lange Zeit beschäftigen. Wichtig ist es nun, aus den gesammelten Erfahrungen zu lernen. Was uns dabei stets begleiten sollte ist die Solidarität, die gegenseitige Unterstützung und das wertschätzende, respektvolle Miteinander, das wir in den vergangenen Wochen intensiv gepflegt haben. Bauen wir als Glaubensgemeinschaft bitte weiterhin genau darauf auf.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihr Vertrauen und Ihre Aufmerksamkeit und möchte Ihnen jetzt schon viel Freude und Segen beim dieswöchigen Freitagsgebet wünschen.

Mag. Ümit Vural
Präsident der IGGÖ

Videobotschaft des Präsidenten

IGGÖ: Muslimische Gemeinschaft in Österreich begeht das Ramadanfest in den eigenen vier Wänden

Wien (OTS/IGGÖ) – Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt begehen anlässlich des Endes des islamischen Fastenmonats an diesem Sonntag das dreitägige Ramadanfest.

Der Ramadan ist im Islam die wichtigste und segensreichste Zeit des Jahres. Die gemeinschaftliche Spiritualität ist sein wesentlicher Bestandteil, und deren Mittelpunkt ist die Moschee. Heuer ist der Ramadan jedoch aufgrund der Corona Pandemie völlig anders verlaufen, als die muslimische Gemeinschaft ihn zu begehen gewohnt ist. Viele wichtige und lebendige Traditionen, wie die gemeinschaftlichen Gebete in der Moschee, das speziell im Ramadan nächtlich verrichtete Taraweh-Gebet, die beliebten Zusammenkünfte zum Fastenbrechen im großen Kreis, die gewohnten Koranlesungen oder die kleine Pilgerfahrt nach Mekkah waren unter den gegebenen Umständen unmöglich.

Der Maxime des islamischen Rechts folgend, nach der der Schutz des Lebens den religiösen Verpflichtungen übergeordnet ist, hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich rasch und konsequent agiert, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus mitzubekämpfen. „Die österreichischen Musliminnen und Muslime haben die Aussetzung der gemeinschaftlichen Gebete in unseren Moscheen erfreulich verständnisvoll und positiv aufgenommen. Als Gemeinschaft haben wir diese Ausnahmesituation verantwortungsvoll gemeistert. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken“, erklärt IGGÖ-Präsident Ümit Vural.

Auch wenn der diesjährige Ramadan in vieler Hinsicht ungewohnt und beeinträchtigt verlaufen ist, so konnte und kann er dennoch als die im Islam vorbestimmte Zeit für eine Lebensreflexion, für ein Umdenken und ein Innehalten verstanden werden. Im Kreise der Familie haben Musliminnen und Muslime ihre Wohnungen zu Orten dieser Innenschau und einer intensiven Spiritualität und Begegnung mit Gott gemacht, sie haben sich – vielleicht sogar noch mehr als sonst – auf das Wesentliche besonnen und ihr Bewusstsein dafür gestärkt.

Seit dem 15. Mai hat die Islamische Glaubensgemeinschaft nun mit der schrittweisen Wiederöffnung der Moscheen unter strengen Hygiene- und Schutzmaßnahmen begonnen. Die erste Woche der Wiederaufnahme der Gemeinschaftsgebete ist aufgrund des großen Engagements und Pflichtbewusstseins der Imame und der Obleute der Moscheegemeinden durchwegs positiv verlaufen. Nun gilt es für die Gläubigen jedoch, noch ein letztes Mal Geduld zu beweisen: „Auf das Festgebet in der Moschee werden wir diesen Sonntag schweren Herzens verzichten müssen. Ein großes, aber leider notwendiges Opfer“, wie es Vural als Appell und Ermutigung an die Gläubigen richtet. Der theologische Beratungsrat der IGGÖ empfiehlt, das Gebet zuhause im Kreise der Familie zu verrichten.

Gleichzeitig verkündet der Präsident, dass ab Sonntag unter Einhaltung der empfohlenen Maßnahmen mit der Wiederaufnahme der Abend- und Nachtgebete in den Moscheen begonnen werden könne.

Vural abschließend: „Im Namen der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich wünsche ich allen Musliminnen und Muslimen ein gesegnetes Ramadanfest“.

Erste Moscheen öffnen ihre Tore

Nach neun Wochen Coronavirus bedingter strikter Einschränkungen des religiösen Lebens in Österreich dürfen Moscheen am Freitag wieder die Tore für ihre Gemeinden öffnen. IGGÖ-Präsident Vural ist erfreut, dass als Ergebnis wochenlanger Geduld und Disziplin mit heutigem Tage öffentliche Gottesdienste wieder stattfinden dürfen, wenn auch in einem reduzierten Rahmen und unter Einhaltung besonderer Schutzmaßnahmen. Alle Kirchen und Religionsgesellschaften hätten verantwortungsvoll ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise geleistet. Auch Kultusministerin Raab bedankte sich in einer Aussendung „für die ausgezeichnete Kooperation in dieser schweren Zeit, in die unter anderem das Osterfest, das jüdische Pessach-Fest und der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan gefallen sind.“

Die IGGÖ erinnert Gemeindevorstände allerdings weiterhin daran, ihrer Pflicht nachzukommen, die Gesundheit ihrer Mitglieder und Mitmenschen zu schützen. Der Moscheebesuch und die Gottesdienste müssen daher so gestaltet sein, dass eine Ansteckungsgefahr möglichst gering ist. Die wichtigsten Empfehlungen dazu hat die IGGÖ in einem Leitfaden auf Grundlage der Vereinbarungen der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften mit dem Kultusministerium vorgelegt.

Von der Umsetzung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen in den Moscheen konnte sich IGGÖ-Präsident Vural in den vergangenen Tagen persönlich ein Bild machen. So wurden Bodenmarkierungen für Gebetsplätze angebracht, Desinfektionsmittel an den Eingängen aufgestellt, die Gemeindemitglieder vorab über die einzuhaltenden Regelungen informiert, Informationsplakate angebracht und Ordnerdienste eingeteilt. „Ich freue mich, dass etwa die Hälfte unserer Moscheen die notwendigen Vorkehrungen treffen konnte und die Gottesdienste wiederaufnehmen kann. So haben wir nun immerhin die Möglichkeit, zumindest die letzten Tage des Ramadan würdevoll zu begehen“, so Vural.

Am Mittwoch wurden zwischen der Kultusministerin und den RepräsentantInnen der Kirchen und Religionen die Rahmenbedingungen für Gottesdienste im Freien definiert. Im Gegensatz zu Gottesdiensten im Innenbereich gilt hier die 10m2-Regelung nicht. Die maximale Anzahl der teilnehmenden Gläubigen soll jedoch jener gemeindeüblicher Gottesdiensten entsprechen. Dadurch soll das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus in andere Regionen geringgehalten werden. Diese Lockerungen bringen vor allem für Moscheen im ländlichen Raum eine Erleichterung, die über eigene Gärten oder Höfe verfügen.

Für den IGGÖ-Präsidenten hatten die Einschränkungen der vergangenen Wochen auch positive Seiten. So haben beispielsweise viele Gemeinden ihre Aktivitäten ins Internet verlegt und ein umfangreiches Online-Angebot geschaffen, mit dem sie weit mehr Leute erreichen konnten als zuvor. Das Verbot von Krankenbesuchen hat zur Gründung einer Telefonseelsorge für MuslimInnen geführt, die stark in Anspruch genommen wurde und nun auch nach der Krise weitergeführt werden soll. Zahlreiche Gemeinden haben ihre karitativen Initiativen erweitert.

Nicht zuletzt wurde auch der traditionell ohnehin sehr lebendige interreligiöse Dialog in Österreich gestärkt. „Die Krise ist für uns alle eine große Herausforderung. Der ständige Austausch mit anderen ReligionsvertreterInnen, die Suche nach zumutbaren Lösungen für alle und der Wille, einen Religionen übergreifenden Weg zu finden, waren wichtige Signale für den Zusammenhalt aller Glaubensgemeinschaften in unserem Land“, resümiert Vural abschließend.

IGGÖ: Erste Moscheen öffnen am Freitag ihre Tore

Wien (OTS/IGGÖ) – Nach neun Wochen Coronavirus bedingter strikter Einschränkungen des religiösen Lebens in Österreich dürfen Moscheen am Freitag wieder die Tore für ihre Gemeinden öffnen. IGGÖ-Präsident Vural ist erfreut, dass als Ergebnis wochenlanger Geduld und Disziplin mit heutigem Tage öffentliche Gottesdienste wieder stattfinden dürfen, wenn auch in einem reduzierten Rahmen und unter Einhaltung besonderer Schutzmaßnahmen. Alle Kirchen und Religionsgesellschaften hätten verantwortungsvoll ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise geleistet. Auch Kultusministerin Raab bedankte sich in einer Aussendung „für die ausgezeichnete Kooperation in dieser schweren Zeit, in die unter anderem das Osterfest, das jüdische Pessach-Fest und der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan gefallen sind.“

Die IGGÖ erinnert Gemeindevorstände allerdings weiterhin daran, ihrer Pflicht nachzukommen, die Gesundheit ihrer Mitglieder und Mitmenschen zu schützen. Der Moscheebesuch und die Gottesdienste müssen daher so gestaltet sein, dass eine Ansteckungsgefahr möglichst gering ist. Die wichtigsten Empfehlungen dazu hat die IGGÖ in einem Leitfaden auf Grundlage der Vereinbarungen der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften mit dem Kultusministerium vorgelegt.

Von der Umsetzung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen in den Moscheen konnte sich IGGÖ-Präsident Vural in den vergangenen Tagen persönlich ein Bild machen. So wurden Bodenmarkierungen für Gebetsplätze angebracht, Desinfektionsmittel an den Eingängen aufgestellt, die Gemeindemitglieder vorab über die einzuhaltenden Regelungen informiert, Informationsplakate angebracht und Ordnerdienste eingeteilt. „Ich freue mich, dass etwa die Hälfte unserer Moscheen die notwendigen Vorkehrungen treffen konnte und die Gottesdienste wiederaufnehmen kann. So haben wir nun immerhin die Möglichkeit, zumindest die letzten Tage des Ramadan würdevoll zu begehen“, so Vural.

Am Mittwoch wurden zwischen der Kultusministerin und den RepräsentantInnen der Kirchen und Religionen die Rahmenbedingungen für Gottesdienste im Freien definiert. Im Gegensatz zu Gottesdiensten im Innenbereich gilt hier die 10m2-Regelung nicht. Die maximale Anzahl der teilnehmenden Gläubigen soll jedoch jener gemeindeüblicher Gottesdiensten entsprechen. Dadurch soll das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus in andere Regionen geringgehalten werden. Diese Lockerungen bringen vor allem für Moscheen im ländlichen Raum eine Erleichterung, die über eigene Gärten oder Höfe verfügen.

Für den IGGÖ-Präsidenten hatten die Einschränkungen der vergangenen Wochen auch positive Seiten. So haben beispielsweise viele Gemeinden ihre Aktivitäten ins Internet verlegt und ein umfangreiches Online-Angebot geschaffen, mit dem sie weit mehr Leute erreichen konnten als zuvor. Das Verbot von Krankenbesuchen hat zur Gründung einer Telefonseelsorge für MuslimInnen geführt, die stark in Anspruch genommen wurde und nun auch nach der Krise weitergeführt werden soll. Zahlreiche Gemeinden haben ihre karitativen Initiativen erweitert.

Nicht zuletzt wurde auch der traditionell ohnehin sehr lebendige interreligiöse Dialog in Österreich gestärkt. „Die Krise ist für uns alle eine große Herausforderung. Der ständige Austausch mit anderen ReligionsvertreterInnen, die Suche nach zumutbaren Lösungen für alle und der Wille, einen Religionen übergreifenden Weg zu finden, waren wichtige Signale für den Zusammenhalt aller Glaubensgemeinschaften in unserem Land“, resümiert Vural abschließend.