Änderung des Anmeldesystems für die Teilnahme an der Hajj
Stand: 21. Juni 2022

Der Andrang auf die Hajj ist nach zwei Jahren coronabedingter Pause mit drastisch reduzierten Besucher*innenzahlen (eine Teilnahme war ausschließlich einigen Tausend Personen mit Wohnsitz in Saudi-Arabien vorbehalten) heuer besonders hoch. Die Anzahl der zugelassenen Pilgerreisenden wurde zudem von etwa 2,5 Millionen Menschen vor Coronazeiten auf nunmehr eine Million reduziert.

Um diesen Andrang zu regulieren, kündigte das saudi-arabische Hajj-Ministerium jedoch am 7. Juni 2022 an ein neues Anmeldesystem für die Teilnahme an der Hajj einzuführen. Muslim*innen aus Ländern außerhalb des Golfkooperationsrates (betrifft vor allem Europa, die USA und Australien) müssen sich demnach ab sofort über die Webseite Motawif (www.motawif.com.sa) für die Teilnahme an der Hajj bewerben. Für die einzelnen Länder wurden jeweils eigene Kontingente an Teilnahmeplätzen vergeben. Diese Plätze werden unter den Bewerber*innen in einem automatisierten Verfahren verlost. Die ausgewählten Personen werden schließlich aufgefordert, die Zahlung über das erwähnte Online-Portal vorzunehmen, erst danach kann ein Visum ausgestellt werden.

Bislang waren lizenzierte Anbieter in den jeweiligen Ländern berechtigt, Reisepakete für die Hajj zusammenzustellen und sich um die Visaanträge, die An- und Abreise, die Unterbringung und Verpflegung vor Ort etc. zu kümmern. Dies ist nun nicht mehr möglich, Pilgerreisende müssen die Pakete ab sofort direkt über die Seite von Motawif buchen, deren Kosten die bisherigen leicht übersteigen und nun auch keinen Besuch der Stadt Medina mehr ermöglichen.

Diese neuen Regelungen sind erschwerend sowohl für die Reisenden als auch für die Reisebüros und bisherigen Anbieter. Personen, die seit Beginn der Coronapandemie auf einer eigens für die Hajj eingerichteten Warteliste stehen, fallen nun um ihren Vorrang um.

Die kurzfristige Änderung des Prozederes hat zu großer Verunsicherung innerhalb der muslimischen Gemeinschaft geführt, denn in der Regel bereiten sich Pilgerreisende bereits vor Beginn der Hajj wochenlang auf die Durchführung der damit verbundenen religiösen Rituale vor, besuchen hierfür beispielsweise Vorträge oder müssen der Impfpflicht der für die Teilnahme vorausgesetzten Schutzimpfungen nachkommen. Nun bleiben jenen, die tatsächlich an der diesjährigen Hajj teilnehmen dürfen, nur wenige Tage Vorbereitungszeit, denn die Pilgerfahrt beginnt dieses Jahr am Abend des 7. Juli 2022.

Die Auswirkungen sind auch für die IGGÖ spürbar, die hier aufgrund ihres einzigartigen rechtlichen Status innerhalb Europas versucht eine vermittelnde Rolle einzunehmen und im engen Austausch sowohl mit der saudi-arabischen Botschaft in Wien, den zuständigen Behörden in Saudi Arabien als auch mit der österreichischen Botschaft in Riyadh steht und auch bestrebt ist, eine Erhöhung des Platzkontingents für Muslim*innen aus Österreich und den angrenzenden Nachbarländern für die kommenden Jahre zu erwirken.