“Stunde für den Frieden” der Vertreter*innen der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Hofburg

25.01.2024 | Internationales, Interreligiöser Dialog, News

Auf Initiative der Islamischen Glaubensgemeinschaft lud Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen Vertreter*innen aller 16 in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften zu einer “Stunde für den Frieden” in die Hofburg ein. Bei dem Treffen betonten sowohl der Bundespräsident als auch die religiösen Vertreter*innen die gemeinsame Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und das gesellschaftliche Miteinander. In ihren Ansprachen unterstrichen sie die Bedeutung des Dialogs und die Kraft der Religionen für die Bewältigung von Krisen und Herausforderungen.

Die Teilnahme aller anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften betrachtete Bundespräsident Van der Bellen als erfreuliches Zeichen betrachtet, insbesondere die Vertretung von Männern und Frauen bei der Veranstaltung.

In seiner Ansprache wiederholte Präsident Vural erneut seinen Appell für ein sofortiges Ende der Gewalt im Nahen Osten und betonte die dringende Notwendigkeit eines konstruktiven und nachhaltigen Friedensprozesses mit dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens aller Menschen in der Region in Sicherheit und Freiheit.

Begleitet wurde der Präsident von Elif Mazarweh vom Obersten Rat der IGGÖ. Herzlichen Dank für die Teilnahme!

Ansprache des Präsidenten

Als Menschen teilen wir alle, unabhängig von unserer Herkunft oder unserem Glauben das grundlegende Bedürfnis nach Frieden, Sicherheit und Freiheit. Doch Frieden ist nicht nur ein Wunsch. Er ist eine Verpflichtung, die jeder und jede von uns tragen sollte – eine tägliche Anstrengung. Es liegt an uns allen, Brücken zu bauen, den Dialog zu fördern und uns in der heutigen Welt, die von so vielen Herausforderungen geprägt ist, gemeinsam für den Frieden einzusetzen.

Die Grundlage des Friedens liegt im Streben nach Gerechtigkeit und im Respekt vor unserer Vielfalt. „O ihr Menschen (…) Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt“, heißt es dazu im Koran. Unsere Gesellschaft ist von unterschiedlichen Überzeugungen und Lebensweisen geprägt. Und doch können wir stets danach trachten das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.

Es ist ein unschätzbares Gut, dass der interreligiöse Dialog in Österreich seit vielen Jahren wertschätzend aktiv ist. Unverzichtbar dafür sind die positiven Beziehungen, die wir als Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften untereinander pflegen – der überzeugte Respekt vor der Würde und Wahrheit des anderen.

Ich möchte mich daher von ganzem Herzen bei den Kirchen und Religionsgemeinschaften bedanken, dass Sie die Initiative der Islamischen Glaubensgemeinschaft nach einem gemeinsamen Zeichen sofort unterstützt haben. Ebenso bedanke ich mich bei unserem Bundespräsidenten, Dr. Alexander Van der Bellen, für seine Bereitschaft, die Schirmherrschaft für dieses so wichtige Forum zu übernehmen.

Heute treten wir gemeinsam auf, um das Potenzial unseres Dialogs aufzuzeigen und ein starkes Signal in die Bevölkerung zu tragen. Wir möchten verdeutlichen, dass Religion nicht als Werkzeug für Hass, Gewalt und Konflikte missbraucht werden darf. Im Gegenteil – wir stehen für die positive und konstruktive Rolle der Religionen in der Gesellschaft. Uns verbinden die grundlegenden Bedürfnisse nach Frieden, Wertschätzung und Solidarität untereinander, basierend auf dem festen Glauben an die Unantastbarkeit der Würde des Menschen.

In den vergangenen Jahren haben wir in vielen Bereichen gesellschaftliche Spaltungen erlebt. Wir sind mit einer unerträglichen Polarisierung konfrontiert, mit menschenverachtender Rhetorik und einem Mangel an Empathie.

“Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann man Ihnen auch beibringen zu lieben“, schrieb Freiheitskämpfer, Friedensnobelpreisträger und moralische Instanz Nelson Mandela in seiner Autobiografie.

Die vergangenen Wochen haben tragische Verluste an Menschenleben und großes Leid über Israel und Palästina gebracht. Die schockierenden Nachrichten und Bilder, die uns täglich erreichen, versetzen uns in tiefe Bestürzung und verursachen ein Gefühl der Ohnmacht.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft steht an der Seite derer, die Hass und Gewalt verurteilen und sich für den Frieden einsetzen. Ich bin der Überzeugung, dass durch Gewalt keine Probleme gelöst werden, sondern nur neue entstehen. Daher möchte ich heute noch einmal meinen Appell an ein unverzügliches Ende der Gewalt im Nahen Osten wiederholen. Es ist dringend notwendig ist, den konstruktiven Friedensdialog wiederaufzunehmen, der zu einem friedlichen Zusammenleben aller Menschen in der Region führt. Allen Völkern muss gleichermaßen ein Leben in Sicherheit, Würde und Freiheit zugestanden werden.

“Solange Armut, Ungerechtigkeit und Ungleichheit in der Welt fortbestehen, kann keiner von uns wirklich ruhen”, schrieb Nelson Mandela weiter. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam an der Vision einer solchen Welt arbeiten.

Möge Gott, der Barmherzige, diese Welt zu einer Stätte des Friedens machen!

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