Reaktion auf die Anschläge des 11. September 2001
Verurteilung der Terrorakte
Die Muslime in Österreich nehmen Stellung zu den Anschlägen in den USA
Verurteilung der Terrorakte durch Präsident Schakfeh
In mehreren Interviews betont Präsident Schakfeh, dass die Akte beispiellosen Terrors, denen Tausende unbeteiligte, unschuldige und nicht bewaffnete Menschen zum Opfer gefallen sind, selbstverständlich auch aus islamischer Sicht zu verurteilen sind. Ein solches Handeln ist durch die islamische Theologie mit nichts zu begründen. In großer Betroffenheit gebührt den Opfern der Anschläge und deren Angehörigen volles Mitgefühl.
Ruf nach Gerechtigkeit
Gerechtigkeit soll nicht mit dem Ruf nach Vergeltung gleichgesetzt werden. Bestrafung der Täter darf nicht Menschen einer Gruppe pauschal treffen. Denn darin liegt die Gefahr, dass Hass und Rachegefühle Platz greifen und wieder Unschuldige die Leidtragenden kollektiver Vergeltungsschläge würden. Der Islam kennt den Gedanken der Kollektivschuld nicht. Vorverurteilungen und generalisierende Schuldzuweisungen sind abzulehnen. Rechtsstaaten dürfen sich nicht zu undifferenzierten und ungerechten Handlungen hinreißen lassen.
Festhalten am Dialog als dem einzig möglichen Weg zur Beilegung von Konflikten
Die Islamische Glaubensgemeinschaft begrüßt alle Stimmen, die sich in einer Zeit großer Emotionalität für Besonnenheit aussprechen und im Gegensatz zu voreiligen Schlüssen auf einen „Kampf der Kulturen“ die unbedingte Notwendigkeit betonen, allein den „Dialog der Kulturen“ als Möglichkeit des friedlichen und gerechten Umgangs miteinander zu fördern und zu intensivieren.
Appell zu einem verantwortungsvollen Sprachgebrauch
Der Umgang mit einer schier unfassbaren Situation und die auch emotionale Verarbeitung der Vorgänge ist für uns alle nicht leicht zu bewältigen. Gerade darum ist eine sehr bewusste Wahl der Worte von großer Bedeutung. Wenn einerseits von einem „Kampf des Guten gegen das Böse“ und andererseits von „dem Islam“ als Tathintergrund gesprochen wird, verdichten sich schnell Bilder und Assoziationen zu einer gefährlichen und völlig ungerechtfertigten Sicht der Dinge. Eine sich noch verstärkende Islamophobie kann ernste Folgen für unser gesellschaftliches Klima haben.
Sorge unter den Muslimen
Mehr und mehr fühlen sich die Muslime in Österreich vor diesem Hintergrund besorgt. Viele Anrufe in der Glaubensgemeinschaft und Gespräche spiegeln einerseits die große persönliche Betroffenheit wieder, zum anderen die Befürchtung, durch eine in der Öffentlichkeit als Folge der Ereignisse und ihrer medialen Wiedergabe verstärkte Islamfeindlichkeit auch persönlichen Anfeindungen ausgesetzt zu werden. Das Anliegen hier durch klare Stellungnahmen für Aufklärung zu sorgen ist groß. Dabei wird die Bereitschaft spürbar eigene Beiträge zu leisten. Viele Muslime suchen das beratende Gespräch, wie man mit den fragenden Blicken im Alltag oder anzüglichen Bemerkungen am Arbeitsplatz wie: „Na, was habt ihr da wieder verbrochen?“ am besten umgehen könne.
Einige Drohanrufe oder Beschimpfungen nehmen wir ernst. Andererseits sehen wir positive Zeichen, denn viele Menschen haben uns mitgeteilt, dass sie ihre Solidarität mit ihren muslimischen Mitbürgern zum Ausdruck bringen möchten..
Nachfrage nach Gelegenheiten zur Begegnung und offenem Gedankenaustausch
In dieser Situation ist es als erfreulich zu bewerten, dass gerade jetzt das ehrliche Interesse an mehr Hintergrundwissen über den Islam steigt. Wir empfingen Anrufe von Lehrpersonal, um Termine für Diskussionsrunden in der Schule zu vereinbaren, eine Künstlerin möchte als Reaktion auf die Ereignisse ein interkulturelles Programm gestalten und sucht vorher Kontakt, Menschen wollen einfach ins Gespräch kommen.
Verschiedentlich werden Initiativen im interreligiösen Bereich gesetzt. Am Freitag, dem 14. September um 15.00 Uhr soll eine dankenswerterweise vom Ökumenischen Rat der Kirchen angeregte Schweigeminute gehalten werden. Die Islamische Glaubensgemeinschaft ruft zur Teilnahme auf und unterstützt den dahinterstehenden Gedanken.
In einem offenen Austausch und der Vermittlung von mehr Wissen übereinander liegt unsere Chance.
Wien, am 14. September 2001
Anas Schakfeh
Präsident
Carla Amina Baghajati
Medienreferat der Islamischen Religionsgemeinde Wien
Für Rückfragen: Tel.: 259 54 49 oder 0664/521 50 80, e-mail: baghajati@surfeu.at
Copyright © by Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich Alle Rechte vorbehalten. Publiziert am: 2003-11-24 6238 mal gelesen [ Zurück ]
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