Isl. Themen
Dienstag 20 September 2011
Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern an Anas Schakfeh verliehen
Am Dienstag, dem 21. Oktober wurde Präsident Schakfeh durch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer für seine zahlreichen Verdienste das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern in der Hofburg in einer feierlichen Zeremonie verliehen. In seiner Rede, die im Anschluss komplett nachzulesen ist, betonte der Bundespräsident die Leistungen des mit dieser hohen Auszeichnung Geehrten und stellte sie in einen Zusammenhang mit der Präsenz der Muslime in Österreich. Auf diesen Aspekt ging Präsident Schakfeh in seiner kurzen Ansprache dann besonders ein. So unterstrich er, dass er persönlich seine wichtigste Leistung darin sehe, dass die Muslime in Österreich sich immer mehr als Teil des Landes begriffen. Es finde ein Prozess statt, bei dem im Selbstverständnis der muslimischen Minderheit die religiöse Identität sich mit einem Zugehörigkeitsgefühl zu Österreich und zu Europa verbinde. Sich positiv in der Gesellschaft einzubringen gehöre dazu. Die Islamische Glaubensgemeinschaft habe in dieser Hinsicht eine Linie entwickelt, die es nun auch in der Zukunft fortzusetzen und weiter zu entwickeln gelte. Präsident Schakfeh dankte nicht nur dem Staat Österreich für die hohe Auszeichnung, sondern schloss in den Dank auch seine Mitarbeiter, ganz besonders aber seine Familie ein. Seine Frau und seine Töchter hätten oft auf Familienleben verzichten müssen und ihn gleichzeitig immer unterstützt.
Die Rede von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer:
Sehr geehrter Herr Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Prof. Schakfeh!
Sehr geehrte Frau Dr. Schakfeh!
Exzellenzen!
Verehrte Vertreter der Religionsgemeinschaften!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Willkommen in der Wiener Hofburg!
Wenn ich heute die Freude habe, Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident, das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, zu überreichen, so ist das eine Premiere von besonderer Bedeutung. Erstmals ehrt die Republik Österreich in sichtbarer Form den obersten Repräsentanten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.
Die Gästeliste für die heutige Feierstunde wurde von Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident Schakfeh, sorgfältig zusammengestellt und wir sind Ihren Vorschlägen sehr gerne gefolgt.
So freue ich mich, dass ich heute mit Ihnen auch Ihre Gattin und Ihre Töchter, wichtige Repräsentanten islamischer Organisationen in Österreich sowie Vertreter anderer Religionsgemeinschaften und des öffentlichen Lebens begrüßen kann.
Besonders herzlich willkommen heiße ich Ihre Exzellenzen die Botschafter und andere Repräsentanten befreundeter Staaten, in denen dem Islam besondere Bedeutung zukommt.
Sehr geehrte Festgäste!
Wie wir alle wissen, bekennt sich Österreich zum Grundsatz der Trennung des Staates von den auf seinem Staatsgebiet tätigen Kirchen und Religionsgemeinschaften.
Dennoch gibt es zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften zahlreiche Berührungspunkte und auch viele gemeinsame Interessen, weil beide – der Staat und die Religionsgemeinschaften – ihre Aufgaben im Dienste der auf unserem Staatsgebiet lebenden Menschen wahrnehmen, von denen sich viele zu Kirchen und Religionsgemeinschaften bekennen. Der Islam ist in Österreich eine bedeutsame Glaubensgemeinschaft und bereits seit dem Jahr 1912 eine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft.
Der oberste Repräsentant der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich ist daher ein wichtiger Ansprechpartner für die Belange der Musliminnen und Muslime in Österreich.
Meine sehr geehrte Damen und Herren!
Bevor ich auf die Persönlichkeit von Professor Anas Schakfeh und seine Verdienste, die zur heutigen Ehrung geführt haben, zu sprechen komme, noch einige grundsätzliche Überlegungen über die Beziehungen Österreichs zu den in unserem Land lebenden Muslimen. Die staatliche Anerkennung einer Religionsgemeinschaft erfolgt stets auf gesetzlichen Grundlagen und ist Basis für viele Entfaltungsmöglichkeiten der anerkannten Glaubensgemeinschaften. Neben der Religionsausübung selbst ist vor allem die Möglichkeit der Erteilung von Religionsunterricht im Rahmen des öffentlichen Schulwesens eine wichtige Folge der Anerkennung. Staatlich anerkannte Kirchen und Religionsgemeinschaften genießen in diesem Sinne auch einen besonderen Schutz des Staates. Darüber hinaus ist das Verhältnis des Staates und der von ihm anerkannten Religionsgemeinschaften vom Grundsatz der wechselseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten und von partnerschaftlichem Bemühen um den Dienst am Menschen gekennzeichnet.
Dieses partnerschaftliche Verhältnis bringt – weit über die Rechtsnormen, durch die es geregelt wird, hinaus – wechselseitige Verpflichtungen für beide Partner mit sich. Die Republik Österreich erwartet von allen ihren Bürgerinnen und Bürgern und von allen Menschen, die auf ihrem Staatsgebiet leben, die Respektierung der österreichischen Rechtsordnung, die von den Grundsätzen der Demokratie, des Pluralismus, der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, und der welt-anschaulichen Toleranz geprägt ist.
Gleichzeitig haben alle Muslime in unserem Land das Recht darauf zu vertrauen, dass man ihnen mit Achtung vor ihren religiösen Werten und Traditionen begegnet und dass sie den gleichen Anspruch auf Respekt vor ihren weltanschaulichen Überzeugungen haben wie die Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften oder Mitbürger, die sich zu keiner Konfession bekennen. Was Menschen - egal welcher Religionsgemeinschaft sie angehören -, heilig und wertvoll ist, sollte nicht für Polemiken missbraucht werden und nicht herabgesetzt werden. Das ist meine feste Überzeugung.
Dass in Österreich das Zusammenleben zwischen Muslimen und Nichtmuslimen harmonischer funktioniert als in manchen anderen Ländern Europas – vielleicht auch deshalb, weil wir bereits auf jahrzehntelange diesbezügliche Erfahrungen zurückgreifen können – kann uns zwar mit Freude erfüllen, darf uns aber nicht dazu verleiten, in den Bemühungen um stete Verbesserung des wechselseitigen Verständnisses und des respektvollen Umganges miteinander nachzulassen.
Exzellenzen! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Professor Anas Schakfeh – dem ich mich jetzt besonders zuwenden darf - hat sich im Sinne dieser Überlegungen als langjähriger Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich ganz besonders um das muslimische Leben in unserem Land, um ein harmonisches Miteinander zwischen der Republik Österreich und ihren Muslimen, aber auch um das Ansehen Österreichs in der internationalen muslimischen Gemeinschaftnverdient gemacht.
1943 – also vor 65 Jahren – in Syrien geboren, hat er in Damaskus die Reifeprüfung abgelegt und in den Jahren 1963 bis 1965 das Islamisch-theologische Seminar in Hama absolviert.
Seit dem Jahr 1964 leben Sie, sehr geehrter Herr Präsident, in Österreich und haben an der Universität Wien Medizin und Arabistik studiert und später auch die Dolmetscherprüfung für die arabische Sprache abgelegt. Seit dem Jahr 1980 sind Sie österreichischer Staatsbürger.
Bereits als Student haben Sie sich für die muslimische Glaubensgemeinschaft engagiert, die Muslimische Studentenunion in Wien mitgegründet und sind eine Zeit lang auch deren Vorsitzender gewesen.
Beruflich waren Sie zunächst Leiter eines Arabisch-Sprachkurses im Afro-Asiatischen Institut in Wien, später dann Mitautor des Lehrplanes für islamischen Religionsunterricht in den österreichischen öffentlichen Schulen. In den Jahren 1984 bis 1998 waren Sie Lehrer für islamische Religion am Bundesrealgymnasium auf der Schottenbastei und seit 1998 Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht.
Ab dem Jahr 1987 waren Sie zehn Jahre lang Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinde Wien, die für Wien, Niederösterreich und das Burgenland zuständig ist, und sodann seit 1997 zunächst Geschäftsführender Präsident und ab Jänner 2000 Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft.
Zahlreiche wegweisende Aktivitäten der Islamischen Glaubensgemeinschaft gehen auf Ihre Initiativen zurück. Ich denke in diesem Zusammenhang an die Gründung der Islamischen Religionspädagogischen Akademie, später der Islamischen Fachschule für Soziale Bildung, an die Gründung des Islamischen Religionspädagogischen Instituts und zuletzt im Jahr 2007 an Ihre Initiative zur Errichtung des Studienganges „Islamische Religionspädagogik“ an der Universität Wien.
Innerhalb der verschiedenen Organisationen, Vereine und Gruppierungen der Muslime in Österreich sind Sie stets für Dialog und Interessensausgleich eingetreten, für alle Funktionsträger des staatlichen Lebens sind Sie ein hochgeachteter Gesprächspartner und Repräsentant der muslimischen Kommunität.
Besonders danken möchte ich Ihnen auch für Ihre Präsenz und für Ihre Mitarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung offizieller Besuche islamischer Staatsoberhäupter und anderer Repräsentanten islamischer Länder in Österreich. Bei derartigen Anlässen habe ich immer wieder Anerkennung und Respekt für die Bemühungen Österreichs um seine muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und um alle in unserem Land lebenden Muslime erhalten. Die Erfolge dieser Bemühungen wären ohne Mitwirkung der Funktionäre der Islamischen Glaubensgemeinschaft und ihres Präsidenten sicherlich nicht möglich.
Auch auf internationaler Ebene haben Sie, sehr geehrter Herr Präsident, sich für die islamische Glaubensgemeinschaft in wichtigen Funktionen engagiert. Im Jahr 2001 waren Sie Mitbegründer und stellvertretender Generalsekretär der Europäischen-Islamischen Konferenz in Paris. Auf Ihre Initiative wurden auch in Österreich mehrere Konferenzen europäischer Imame abgehalten. Ich erinnere mich noch gut an eine derartige Veranstaltung im Jahr 2006 in Wien, bei der ich die Freude hatte, die Delegationsleiter zu einem Gespräch hier in diesem Saal zu empfangen.
Ihre internationalen Initiativen, sehr geehrter Herr Präsident, hatten weit über Österreich hinaus positive Wirkungen für das Zusammenleben der Muslime in verschiedenen europäischen Staaten, für gute Dialoge zwischen Muslimen und Nichtmuslimen und für das Ansehen unseres Landes in der internationalen Staatengemeinschaft.
Sehr geehrter Herr Präsident Schakfeh!
Aus allen diesen Gründen freut es mich sehr, dass ich Ihnen heute aufgrund eines Antrages der für Kultusangelegenheiten zuständigen Frau Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur und eines einstimmigen Beschlusses des österreichischen Ministerrates das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich überreichen kann.
Diese hohe Auszeichnung soll Dank und Anerkennung für Ihr langjähriges erfolgreiches Wirken als Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich bekunden, aber auch Ausdruck des Respekts für alle unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sein.
Ich gratuliere Ihnen sehr herzlich zu dieser wohlverdienten und hohen Auszeichnung und wünsche Ihnen für Ihr weiteres Wirken in der Islamischen Glaubensgemeinschaft alles Gute und viel Erfolg.
Herzlichen Glückwunsch!
21. Oktober 2008