18.Februar 2020

Beiratstreffen am 15. Februar 2020

Am Samstag, den 15. Februar 2020 fand das erste Treffen des Beirats der IGGÖ in diesem Jahr statt. Eingeladen waren Obleute, FunktionärInnen sowie Imame der Moscheegemeinden und Fachvereine.

In seinen einleitenden Worten betonte Präsident Vural die Notwendigkeit, die Rolle der Moscheen zu überdenken. Die Entwicklung des islamischen Lebens in Österreich geht stark auf Gastarbeiterbewegung und den Zustrom muslimischer Kriegsflüchtlinge zurück, die in der neuen Heimat die religiöse Betreuung ihrer Landleute durch die Gründung von stark ethnisch geprägten Vereinen und Kulturhäusern übernahmen. Heute sind etwa die Hälfte der MuslimInnen österreichische Staatsbürger und der Gedanke an eine Rückkehr in die Herkunftsländer der älteren Generation verblasst. Präsident Vural unterstrich daher seinen Wunsch, die Moscheen und Vereine mögen ihre veränderte Rolle in der heutigen Zeit erkennen: Neben dem Wissen um Religion und Glaubenspraxis, sei die Kenntnis der deutschen Sprache und das Bewusstsein über das Leben in einer mehrheitlich säkularen, pluralen Gesellschaft sowie eine Öffnung und Vernetzung der Moscheegemeinden untereinander unerlässlich. Er kündigte daher an, das Jahr 2020 der Stärkung unserer Moscheen widmen zu wollen. Auch seine Vision von der Gründung islamischer Gemeindezentren unter der Verwaltung der IGGÖ in jedem Bundesland legte der Präsident noch einmal anschaulich dar.

Vahidin Beluli, Kultussprecher des Obersten Rates, sprach über die Qualitätsverbesserung des Angebots in den Moscheen und die notwendigen Qualifikationen, die Imame vorweisen sollten. Er thematisierte wie schon Präsident Vural das Erfordernis, vermehrt Frauen und JugendvertreterInnen in die Vorstände unserer Einrichtungen zu wählen, umiIhren Anliegen gerecht zu werden. Des Weiteren müssten unter anderem folgende Prinzipien verstärkt in Moscheen verankert werden: die Akzeptanz von Pluralismus und Demokratie, der Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und jegliche Formen von Gewalt, die Bedeutung des interreligiösen Dialogs, das Eintreten für Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung des Bewusstseins für Menschenrechte. All dies fasste er als Merkmale für den islamischen Weg der Mitte zusammen.

Nach Begrüßungsworten des Beiratsvorsitzenden Nasim Khawaja und einem Vortrag über die Tätigkeitsbereiche der IGGÖ durch Gemeindekoordinator Harun Erciyas, stellten die LeiterInnen der jeweiligen Abteilungen der Glaubensgemeinschaft ihre Arbeitsfelder näher vor.

Nadim Mazarweh, Leiter der Kontaktstelle für Extremismusprävention und Deradikalisierung präsentierte sein eigens für Moscheegemeinden entwickeltes Angebot an Seminaren und Lehrgängen zu Moscheepädagogik.

Schulamtsleiterin Amina Bagahjati plädierte für eine engere Zusammenarbeit und die Harmonisierung der Inhalte des Religionsunterrichts an Schulen und der Angebote für Kinder und Jugendliche in den Moscheen.

Dzemal Sibljakovic, Leiter der islamischen Gefängnisseelsorge, gab einen Überblick über die österreichweite Arbeit seines Vereines und das Gebot, sowohl die Angehörigen von Inhaftierten, als auch Inhaftierte selbst nach deren Entlassung innerhalb unserer Gemeinden zu betreuen und vermehrt in die Gemeinschaft zu re-integrieren.

Der Leiter der Spitalsseelsorge, Erkan Erdemir, stellte ebenfalls die Arbeit seines Teams vor und bat die Anwesenden, die Mitglieder ihrer Gemeinden über den an der Uni Wien angebotenen Lehrgang für islamische Seelsorge zu informieren und dazu zu bewegen, derartige Fortbildungsangebote vermehrt in Anspruch zu nehmen.

Zu guter Letzt stellte Sheikh Faruq Medeni die Arbeit des theologischen Beratungsrates des IGGÖ vor.

Nach einer Frage- und Diskussionsrunde wurde das Treffen in angenehmer Atmosphäre mit einem Buffet beendet.

Wir bedanken uns recht herzlich für die zahlreiche Teilnahme, das große Interesse an der Arbeit der Glaubensgemeinschaft, aber auch für alle Fragen und Inputs und freuen uns bereits auf den nächsten konstruktiven Austausch.


   

   

   

   

   

 

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Dienstag, 31.03.2020