04.April 2018

Stellungnahme der IGGÖ zur Forderung der Regierung ein Kopftuchverbot für Kindergärten und Volksschulen einzuführen

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich spricht sich bei der heutigen dringenden Präsidiumssitzung mit aller Entschiedenheit gegen das von der Regierung geplante Vorhaben aus, ein Kopftuchverbot für Kindergärten und Volksschulen gesetzlich zu initiieren.

In dieser seit einiger Zeit schwelenden Debatte haben wir wiederholt betont, dass unser erstes Anliegen das Kindeswohl ist. Daher führen wir bereits seit vielen Jahren gerade innermuslimisch einen Diskurs, der das komplexe Thema aus der Perspektive des Kindeswohls heraus von allen Seiten beleuchtet. Eigentlich sollte sich das Thema eines kontinuierlichen Tragens des islamischen Kopftuchs erst ab der Religionsmündigkeit stellen. Dieses ist mit der körperlichen und geistigen Reife definiert, also jeweils ein sehr individueller Prozess. Längst hat sich innermuslimisch als Erkenntnis durchgesetzt, dass das Selbstbestimmungsrecht von Mädchen und Frauen auf jeden Fall zu beachten ist und keinerlei Zwang ausgeübt werden darf.

Genau darum wird die bevormundende Art, wie nun zum angeblichen „Schutz“ mit einem Verbot operiert werden soll, als absolut kontraproduktiv empfunden. Gerade im Bildungsbereich geht es um Mündigkeit und braucht es Einsichten. Jede Verbotspolitik steht dem diametral und unvereinbar gegenüber und schafft Fronten, wo keine bestehen müssten. Als darüber hinaus problematisch erscheint, dass es hier auch um Grund- und Menschenrechte wie das Erziehungsrecht und die Religionsfreiheit geht. Niemand würde wohl ernsthaft ein Verbot des Tragens einer Kippa oder eines Kreuzes bei Kindern in den Raum stellen wollen.

Hier wird derzeit ein Thema skandalisiert, das eigentlich nur eine Randerscheinung bildet und von Musliminnen und Muslimen selbst seit Jahren zielführend reflektiert und bearbeitet wird. Im Kindergartenalter ist Kopftuchtragen in Österreich so gut wie unbekannt. An Volksschulen ist jeder der wenigen Fälle individuell zu betrachten, da es sehr wohl auch vorkommen kann, dass Mädchen von sich aus diese Kleidung wählen. Als IGGÖ waren wir wiederholt über unsere Einrichtungen eingebunden, um jeweils Lösungen im Sinne der Förderung der selbstbestimmten Entscheidungen der Mädchen zu erreichen und diese in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Dies hat sich als wesentlich effizienter erwiesen als pauschal über die Köpfe der Betroffenen hinweg ein Verbot zu erlassen.

Unter Musliminnen und Muslimen macht sich unabhängig vom Grad ihrer Religiosität tiefes Unbehagen und Sorge breit, dass die derzeitige Politik Ressentiments und Ängste im Zusammenhang mit vielfältigen Phänomenen gesellschaftlichen Wandels fördert anstatt sie abzubauen und dabei vor allem das Feindbild Islam bedient. Als Teil der Gesellschaft wünschen wir uns aber von der Regierung, dass man sich konstruktiv und sachlich den real anstehenden Herausforderungen widmet.

Gerade auf den Köpfen von Kindern darf keine populistische Politik betrieben werden. Wir setzen auf den Weg des Dialogs. In diesem Sinne erwarten wir uns eine Einbindung bei solchen die Musliminnen und Muslime direkt betreffenden Fragen seitens der Politik.

<<<
Mittwoch, 12.12.2018
05:38
07:30
11:54
13:47
16:06
17:26