27.Oktober 2014

Wir sitzen alle im einem Boot - 24.10.2014

 

Ali Kurtgöz von der muslimischen Gemeinde in Graz spricht im Interview mit der Kleinen Zeitung über das Öffnen von Türen und den IS-Terror.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Muslimen wird immer wieder vorgeworfen, ihren Glauben versteckt im Hinterhof zu leben. Sie laden zum "Tag der offenen Moscheen".

KURTGÖZ: Ja, wir laden alle ein zu kommen: um unsere Gemeinden kennenzulernen, mit uns über aktuelle Themen zu diskutieren oder auf einen Kaffee. Auf Steirisch sagt man: Beim Reden kommen di Leit z'aman.

Im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht derzeit auch der IS-Terror.

ALI KURTGÖZ: Prophet Muhammad sagt, niemand braucht sich vor der Hand, der Zunge und den Augen eines Muslims zu fürchten. Leider sehen wir derzeit selbst ernannte Terrorgruppen, wie den IS, die die Inhalte und Zeichen, die für alle Muslime höchste spirituelle Bedeutung haben und den Kern des Glaubens berühren, missbrauchen. Das ist eine nicht zu tolerierende Anmaßung. Für diese Gräueltaten dürfen aber nicht alle Muslime und der Islam verantwortlich gemacht werden.

Wie radikal ist die Steiermark?

KURTGÖZ: Es sind Leute nach Syrien gegangen. Seit ich in der Steiermark lebe, seit 25 Jahren, hat aber kein Muslim je einen anderen hier im Namen Allahs bedroht.

Sie sind Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinde für die Steiermark. Was ist Ihre Aufgabe?

KURTGÖZ: Wir sind der Dachverband für alle islamischen Vereine in der Steiermark, jedoch sind nicht alle Vereine bei uns Mitglied. Unser Ziel ist es, Brücken zwischen den Muslimen und den Nichtmuslimen zu schlagen. Wir arbeiten in Integrations- und Dialoggruppen mit dem Land, der Stadt Graz oder anderen Religionsgemeinschaften. Wir wollen Frieden und ein gutes Miteinander. Denn wir sitzen alle in einem Boot: Christen, Muslime, Juden oder Menschen ohne Bekenntnis. Wer dieses Boot beschädigt, muss gesucht werden, aber nicht vorverurteilt aufgrund seiner Religion oder Hautfarbe.

Wer soll radikale religiöse Gruppen kontrollieren?

KURTGÖZ: Das ist die Aufgabe der Staatssicherheit. Aber auch jeder muslimische Verein muss dafür sorgen, der Radikalisierung noch vor ihrem Entstehen entgegenzuwirken. Dies wird zurzeit getan, etwa durch die Aufklärung der muslimischen Jugendlichen.

Es soll ein neues Islamgesetz geben. Was sagen Sie zum Entwurf?

KURTGÖZ: Ein Gesetz bedeutet Sicherheit für den Staat und für uns Muslime. Der Entwurf wirft aber alle in einen Topf. Es scheint die Reaktion auf die aktuelle Islam-Berichterstattung zu sein. Zudem soll es für Muslime und Aleviten gelten, theologisch gibt es da aber große Unterschiede. Für die Integration brauchen wir Bildungsarbeit oder Aufklärungskampagnen.

INTERVIEW: M. SCHACHNER

"Kleine Zeitung"

 

 

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