18.September 2012

Murat Baser: „Der Prophet hätte nicht so reagiert“

 

LINZ. Hetzvideo: Warum er sich das Video nicht ansieht und Gewalt für Muslime kein Weg sein kann, sagt der Vorsitzende der Muslime in Oberösterreich, Murat Baser, im OÖN-Interview.

 

 

Muslime in aller Welt sind in Aufruhr wegen eines antiislamischen Videos. Wie reagieren die Muslime in Oberösterreich? Darüber sprachen die OÖN mit dem Vorsitzenden der islamischen Religionsgemeinde, Murat Baser.

 

OÖNachrichten: Wie sehr ist das Hetzvideo auch unter Oberösterreichs Muslimen ein Thema?


Murat Baser: Es wird natürlich auch unter den Muslimen viel diskutiert – sowohl über das Video als auch darüber, was danach passiert ist.

 

Haben Sie das Video gesehen?
Ich kenne die kurzen Ausschnitte, die im TV gezeigt wurden. Ein Freund von mir hat sich das Video angeschaut und mich informiert. Er hat zu mir gesagt, das Video sei nicht auszuhalten. Deshalb will ich mir das nicht ansehen. Es ist sehr beleidigend. Ich frage mich: Wem nützt das?

 

Haben Sie eine Antwort?
Ich denke, solche Sachen werden immer wieder absichtlich gemacht, damit der Frieden gestört wird. Die arabischen Länder entwickeln sich in Richtung Selbstbestimmung und Demokratie („Arabischer Frühling“), manche wollen das jedoch offenbar nicht. Aber natürlich ist Gewalt als Reaktion auf das Video nicht zu akzeptieren. Wir als Religionsgemeinde in Oberösterreich und als Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich sprechen uns absolut dagegen aus. In Oberösterreich machen wir so viele Veranstaltungen mit den Kirchen. Wir fragen uns: Müssen wir nach der Unruhe mit der Erklärung unserer Position wieder bei null anfangen?

 

Hätte man die Veröffentlichung des Films verhindern müssen?
Wer Frieden will, der muss solche Filme und Aktionen im Vorhinein stoppen. Nicht nachher, wenn auf der ganzen Welt Unruhe herrscht. Die US-Amerikaner haben sicher von dem Video gewusst. Warum lassen sie das zu? Das passiert dort, und wir in Österreich sind damit konfrontiert. Es passiert etwas Schlimmes. Dann passiert auch auf der muslimischen Seite etwas Schlimmes. Und wir müssen uns wieder dafür rechtfertigen und betonen, dass ein solches Vorgehen nicht dem Islam entspricht.

 

Was würden Sie denn einem gewaltbereiten Muslim in arabischen Staaten sagen, wie er sich verhalten soll?
Erstens ist Gewalt keine Lösung. Zweitens ist das nicht die Methode des Propheten Mohammed gewesen. Der hätte nie so reagiert, auf keinen Fall. Man muss auf der gleichen Ebene antworten, etwa mit Presseaussendungen. In Österreich verstehen das unsere jungen Leute. Die Möglichkeiten sind vielfältig, und wir wissen sie zu nutzen.

 

Terroristen berufen sich aber darauf, dass Mohammed Kriege geführt hat. Was sagen Sie dazu?
Der Prophet hat Kriege geführt, aber das waren Verteidigungskriege. Es wurden zum Beispiel Pläne gemacht, den Propheten zu töten, und er hat sich verteidigt. In der Religion darf es keinen Zwang geben, heißt es im Koran. Islamisierung durch das Schwert gibt es nicht. Natürlich gibt es Verse, die – aus dem Kontext gerissen – eine andere Bedeutung haben als im Gesamtzusammenhang. Man muss aber immer den Anlass der Offenbarung mitdenken und sich der Erklärungen durch den Propheten bewusst sein. Auch wenn ich ein Buch schreibe, können Sie einzelne Sätze, ohne Zusammenhang, gegen mich verwenden.

 

Quelle: http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/art383,968720

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