05.Juli 2012

Murat Baser : „Brauchen Regelung für den Schwimmunterricht von Mädchen“

 

LINZ. Mit einem großen Festakt in Bad Ischl feiert Oberösterreichs Islamische Religionsgemeinde am Mittwoch das 100-Jahr-Jubiläum des Islamgesetzes in Österreich. Aus diesem Anlass trafen die OÖNachrichten den Vorsitzenden Murat Baser zum Gespräch über Integration und Zukunkftswünsche.

 

 

OÖN: Sie feiern in Bad Ischl, weil Kaiser Franz Joseph das Gesetz dort unterschrieben hat. Wie viele Muslime leben heute in Bad Ischl?

 

Murat Baser: Ich weiß es nicht genau, aber ich höre, dass die Muslime aus Bad Ischl eher in den Zentralraum ziehen. Das hat mit der Arbeitsplatzsituation zu tun.

 

OÖN: Derzeit wird über ein neues Islamgesetz diskutiert. Was sind Themen, die Ihre Glaubensgemeinschaft geregelt haben will?

 

Murat Baser: Zum Beispiel soll es eine Regelung beim Schwimmunterricht für Mädchen geben. In Einzelfällen gibt es da Probleme, die allermeisten nehmen am Unterricht teil. In manchen Bundesländern dürfen Mädchen eine Bestätigung bringen, dass sie schwimmen können. In Oberösterreich ist das nicht mehr möglich. Ein anderes Beispiel betrifft das Schächten, das wir gerne gesetzlich geregelt hätten. Aber zum Beispiel das Kopftuch ist heute kein Problem, auch Moscheen nicht. Sie müssen nicht unbedingt ein Minarett haben.

 

OÖN: Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) setzt auf die Hilfe von Religionsgemeinschaften bei der Integration von Zuwanderern. Was tragen Sie bei?

 

Murat Baser: Wir machen viel. Integration bedeutet für mich nicht, sich auf Äußerlichkeiten zu konzentrieren, also ob eine Frau ein Kopftuch oder ein Mann einen Bart trägt. Vielmehr geht es darum, dass man sich an die Gesetze hält.

 

OÖN: Der Islam ist sehr vielfältig und oft durch Traditionen der Herkunftsländer geprägt. Sehen Sie Ansätze, dass es einen „österreichischen Islam“ geben wird?

 

Murat Baser: Die Muslime haben überall, wohin sie kamen, Dinge der Gesellschaft übernommen. Also wird es auch einen österreichischen oder europäischen Islam geben. Dies betrifft aber eher Äußerlichkeiten, nicht Glaubensinhalte.

 

OÖN: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist die Ablehnung gegen den Islam gestiegen. Wie reagieren Sie darauf?

 

Murat Baser: Wir versuchen zum Beispiel, zu jeder Veranstaltung zu gehen, zu der wir eingeladen werden. Und wir laden natürlich selbst ein, zum Beispiel zu Tagen der offenen Moschee. Wir haben ÖVP, SPÖ und Grüne schon besucht, im September treffen wir Oberösterreichs FPÖ-Spitze.

 

OÖN: Nach wie vor gibt es Kritik, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft nicht repräsentativ für die Muslime in Österreich sprechen könne. Was entgegnen Sie?

 

Murat Baser: Wir haben vor unseren Wahlen rund 7000 Muslime neu registriert. Von den elf Leuten in unserem Ausschuss sind fünf türkischstämmige Muslime, zwei aus Bosnien, zwei Albaner und zwei Österreicher. Wir vertreten die Muslime.

 

OÖN: Der deutsche Islamist Pierre Vogel hat im März in Linz einen Vortrag gehalten. Schaden Ihnen Auftritte solch umstrittener Personen nicht?

Murat Baser: Wir haben gesagt, dass wir in Oberösterreich keine Probleme wollen. Ich habe mir den Vortrag angehört, damit ich weiß, worum es geht. Ich habe in Linz nichts gehört, was gegen den Rechtsstaat oder gegen Österreich gerichtet gewesen wäre. In Oberösterreich gibt es keine Probleme. Es gibt zwar Salafismus, aber deren Vertreter sind harmlos. Wir haben zu diesen Leuten Kontakt und stehen über verschiedene Fragen im Dialog.

 

OÖN: Sie sind Vertreter der Islamischen Föderation, die als Ableger der Gemeinschaft Milli Görüs gilt. Diese wird in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet. Andere Beobachter sehen aber eine Abwendung vom Islamismus. Was sagen Sie selbst?

 

Murat Baser: Offiziell gibt es Milli Görüs in Österreich nicht. Die Föderation arbeitet in einigen Punkten mit Milli Görüs zusammen. Im deutschen Verfassungsschutzbericht steht, dass es bei Milli Görüs keine Kriminalität gibt. Milli Görüs hat Muslime im Gegenteil sogar immer aufgefordert, deutsche Staatsbürger zu werden und zu zeigen, wie man sich integrieren kann. Mein Verdacht, warum Milli Görüs für so gefährlich gehalten wird, ist, weil sie den Islam bewahren wollen, damit die Muslime ihre Identität nicht verlieren.

 

OÖN: Was ist denn für Sie der wichtigste Inhalt, den der Prophet Mohammed den Muslimen überliefert hat?

 

Murat Baser: Neben der Lehre des Eingottglaubens verschiedene seiner Aussagen, wie: „Der beste Mensch ist derjenige, der dem Menschen am nützlichsten ist.“ Oder: „Wer satt ist, während sein Nachbar hungrig ist, ist nicht wahrhaftig gläubig.” Und Mohammed hat nicht von einem muslimischen Nachbarn gesprochen. Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes. Wir brauchen alle mehr gegenseitigen Respekt.


Quelle: http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/art383,919534

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