09.Juni 2012

OÖ Nachrichten: „Salam Alaikum“ – Imame kicken besser

 

LINZ. „Salam Alaikum – der Friede sei mit euch“, tönt es über den Sportplatz der Diözesansportgemeinschaft (DSG) in der Landwiedstraße. Imame und katholische Seelsorger reichen sich vor dem Anpfiff des Spiels die Hände und entbieten den Friedensgruß.

 

 

Es war ein ungewöhnliches Fußballspiel: keine Betrunkenen und kein Fan-Gejohle. Statt des Geruchs von Pommes, Bier und Wein umweht der Duft von gebratenem Kebabfleisch den Platz. An den Getränkeständen servieren Jugendliche, die es ohne ihre Eltern als Flüchtlinge nach Österreich verschlagen hat, kalte Erfrischungen gegen eine freiwillige Spende. Nur Bier kostet extra.

 

Sogar das Wetter zeigt sich bei so viel religiöser Toleranz gnädig und setzt sich kurzerhand über die verregnete Prognose hinweg. Die Sonne scheint, es ist ein wundervoller Tag zum Fußballspielen.

 Mittagsgebet vor dem Spiel

 

Vor dem Spiel

 

Das größte Problem in der Vorbereitung war es, genügend Spieler zu finden. Vor allem bei den katholischen Priestern sei die Auswahl gering gewesen, sagt Organisatorin Gerda Eibensteiner. Das habe zwei Gründe. Zum einen seien die meisten Geistlichen der Amtskirche nicht mehr im richtigen Alter, um wieselflink dem Ball hinterherzujagen, zum anderen seien viele Pfarrer zurzeit wegen Firmungen in ihren Gemeinden unabkömmlich. Kurzerhand wurde das Team um Pastoralassistenten und Religionslehrer erweitert. Sportlichen Erfolg bescherte diese Kadererweiterung den Katholiken jedoch nicht. Wenige Sekunden nach dem Anpfiff fällt das 1:0 für die in grünen Dressen spielenden Muslime.

 

Endlich ist's soweit!

 

„Das liegt daran, dass sie 15 Minuten vor dem Anpfiff noch gebetet haben“, spekuliert der Kommentator. Während auf dem Platz energisch, aber nicht verbissen um jeden Ball gekämpft wird, passiert am Spielfeldrand Erstaunliches: Kleine Gruppen von Kindern aus verschiedensten Nationen beobachten in Sitzkreisen das Spiel. Verstolpert einer der Spieler den Ball, kichern sie gemeinsam. Fällt ein Tor, jubeln sie gemeinsam. Egal, wer es geschossen hat.

 

Am Platz machen sich inzwischen die körperlichen Strapazen der ersten zehn Minuten bemerkbar. Das Tempo geht zurück. Dann fällt plötzlich das 2:0 durch einen platzierten Schuss ins lange Eck. Der katholische Keeper ist chancenlos. Der Kommentator sieht seine Theorie bestätigt: „Liebe Katholiken, ihr hättet besser beten sollen.“ Die Lacher des Publikums hat er auf seiner Seite.

 

Zweimal 15 Minuten mit einer fünfminütigen Pause dazwischen absolvieren die religiösen Kicker. Ein schneller Doppelschlag in der zweiten Halbzeit besiegelt die sportliche Niederlage der christlichen Seelsorger an diesem Nachmittag. „Wir haben bereits ein Trainingsspiel ausgemacht. So leicht wird es für euch im kommenden Jahr nicht mehr“, sagt DSG-Präsident Christian Zoidl in Richtung Murat Basar, des Vorsitzenden der islamischen Religionsgemeinschaft. Obwohl die Imame mit 4:1 klar siegten, gab es an diesem Nachmittag keine Verlierer. Bei der Neuauflage des Spiels im kommenden Jahr werden wohl auch die Katholiken vor dem Anpfiff um Beistand von ganz oben beten.

 

Ob das helfen wird, weiß nur Gott.

 

100 Jahre Islamgesetz

Zu den Anlässen für das „konfessionelle“ Fußballspiel gehörte das Jubiläum 100 Jahre Islamgesetz in Österreich. Mit dem Gesetz, das Kaiser Franz Joseph am 15. Juli 1912 in Bad Ischl unterzeichnete, wurde der Islam in Österreich eine anerkannte Religionsgesellschaft. Diese frühe Anerkennung des Islam ist eine österreichische Besonderheit. Hintergrund war die Annexion des großteils von Muslimen bewohnten Bosnien-Herzegowinas im Jahr 1908.

 

Quelle: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/art4,898604
 

Gemeinschaftsfoto und Austausch von Baklava und Linzer Torte

 

Wer Döner hat, hat sicher keinen Schaden!

<< Zurück

<<<
Donnerstag, 13.12.2018
05:39
07:31
11:55
13:47
16:07
17:27