Die jüngste Debatte zur Integration bildete den Anlass für eine Zusammenkunft der großen muslimischen Vereine, zu der die Islamische Glaubensgemeinschaft als offizielle Vertretung in religiösen Fragen eingeladen hatte. Zahlreich folgten die Obleute als wichtige Multiplikatoren und Kontaktpersonen zur Basis dieser Einladung zum Gedankenaustausch. Vertreten waren die verschiedenen Herkunftsländer – von türkisch, bosnisch, arabisch bis hin zu in Österreich geborenen Muslimen. Auch die religiösen Ausrichtungen zeigten sich in allen Schattierungen. Dazu kamen muslimische aktive Personen aus dem Anti-Rassismusbereich und der Arbeiterkammer, Vertreter der Jugend und eine hohe Frauenbeteiligung. Folgende gemeinsame Erklärung ging dabei an die Öffentlichkeit:
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Sorge um das Klima im Land
Übereinstimmend wurde die Sorge geäußert, dass sich die verkürzte und dramatisierende Formel von der angeblichen „Integrationsunwilligkeit“ eines großen Teils der Muslime negativ auf das gesellschaftliche Klima auswirken könnte. Die nähere Betrachtung der Studie erlaubt diese Schlussfolgerung zudem nicht. In Zeiten wachsender Islamfeindlichkeit und einer Abwehrhaltung gegen Muslime, wie sie auch die Studie deutlich anspricht, ist eine sorgfältige Wortwahl besonders wichtig. Denn Auswirkungen werden durch ein Ansteigen von Alltagsrassismus rasch spürbar.
Integration nicht auf populistische Wahlkampfslogans reduzieren
Einig war man sich auch darin, dass die Studie keine Gräben zwischen den Menschen aufreißen oder Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen sollte. Dazu sei das Anliegen der Integration zu bedeutungsvoll. Es dürfe daher auch nicht als Wahlkampfthema missbraucht werden, um zu suggerieren Integration liege einzig bei den „Neuen“.
Typologisierung der Studie darf Religiöse nicht ins Eck stellen
Gerade aus der Perspektive religiös praktizierender Menschen sei es bedenklich, wenn die Einhaltung von Gebet, der Besuch einer Moschee oder das Tragen islamischer Kleidung als „integrationsunwillig“ ausgelegt wird. Dabei erinnerte man auch an den sehr konkreten Aktionsplan, den die Imamekonferenzen vorgeben: Beherrschung der Landessprache, Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten, Gleichwertigkeit von Mann und Frau, Einbinden der Imame als Multiplikatoren, Bildungsprogramme, institutionalisierter Dialog als bester Weg zu Lösungen.
Islam soll nicht als „Problem“, noch weniger als Sicherheitsfrage behandelt werden
Hervorgehoben wurde auch, dass Religion nicht als „Problem“, sondern vielmehr als Teil der Lösung zu sehen sei – gerade wenn es um einen Ansporn zur Integration durch Partizipation geht oder in Traditionen wurzelnde Ungerechtigkeiten gegen Frauen über die theologische Argumentation überwunden werden sollen. Die Studie zeigt erfreulicher Weise auf, dass die überwältigende Mehrheit der Österreicher zwischen dem Islam als Religion und Terror unterscheidet. Dieser Gedanke sollte sich in der Behandlung der Integration von Muslimen als gesellschaftspolitische Frage, nicht als Sicherheitsfrage fortgesetzt finden.
Solidarität gegen Resignation
Besorgt zeigte man sich auch darüber, dass Frustration angesichts einer als unfair empfundenen Art des Umgangs zu Resignation bei bisher aktiven Brückenbauern und ferner zu Abschottungstendenzen führen könnte. Diesen wolle man durch einen internen Diskurs und gezielten Programmen begegnen. Dabei wolle man auch dadurch Mutmachen, dass die vielen Solidaritätsbekundungen und die alles in allem ausgewogene und faire Medienberichterstattung zur Versachlichung und einem Bewusstsein von Integration als beidseitigem Prozess beitragen konnten.
Integration geht alle an
Integration sei endlich deutlich als aufeinander Zugehen von beiden Seiten zu definieren, bei dem es auch um die Schaffung von Rahmenbedingungen im Bereich Bildung, Wohnen, Arbeit geht. Noch immer aber wird Integration vor allem im Sinne von Assimilation gebraucht. Diese Forderung nach einem Aufgehen in der Mehrheitsgesellschaft unter Verlust der religiösen und kulturellen Identität wird von Muslimen in Österreich mehrheitlich abgelehnt. Denn sie sind überzeugt, dass sie auch mit ihrem religiösen Bekenntnis ein wertvoller Bestandteil des Landes sind und sich gleichzeitig mit ganzem Herzen als Muslime und Österreicher fühlen können.
Moderate Haltung der Islamischen Glaubensgemeinschaft wird unterstützt und mitgetragen
Alle muslimischen Vertreter, Männer und Frauen, sprachen sich dafür aus, nach Kräften durch eigene Beiträge einen konstruktiven und sachlichen Umgang anzustreben. Dazu wurden auch praktische Vorschläge gesammelt und verschiedenste Initiativen angeregt. Die moderate Linie der Islamischen Glaubensgemeinschaft wurde einheitlich begrüßt. In ihrer Arbeit wollen die Vereine diese Haltung mittragen. Verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit untereinander soll diese Richtung noch verstärken.
Wien, am 27. Mai 2006
Unterzeichnende Organisationen und Vereine:
Türkische Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich (ATIB),
verwaltet 60 Gebetsstätten
Dachverband der Bosniaken in Österreich
verwaltet 23 Gebetsstätten
Union Islamischer Kulturzentren in Österreich
verwaltet 50 Gebetsstätten
Österreichische Islamische Föderation (AIF)
verwaltet 50 Gebetsstätten
Österreichische Türkische Föderation,
verwaltet 25 Gebetsstätten
Verein der Erleuchtung (NUR)
verwaltet 3 Gebetsstätten
Islamisches Zentrum Wien
Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen – Schura-Moschee
Liga Kultur
Hidaya Moschee
Albanische Islamische Vereinigung
Ägyptische Gemeinde Österreich
Pakistanischer Islamischer Verein
Nigerianisch Islamischer Verein
Bait al Mukarram, Bangladesch, islamischer Kulturverein
Bangladesh Islamic Cultural Centre
Mesjid al Falah
Ibn Taymiyya Moschee
IBIKUZ, Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum
MJÖ, Muslimische Jugend Österreich
Jugendföderation Österreich (JUWA)
IFW, Frauenabteilung, Jugendkomitee
SOLMIT, Solidarisch Miteinander
Muslimischer Akademikerbund
Bündnis Mosaik
MLV, Muslimischer Lehrerverein
Plattform Islam
Irakhilfswerk
Kulturverein Kanafani
Forum Muslimischer Frauen Österreich
Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen
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