„Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich. Wehre das Schlechte mit dem Besseren ab…“ (Koran 41:34)
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich ruft alle Musliminnen und Muslime im Lande auf, sich der Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der menschenverachtenden Anschläge des 11. März in Spanien anzuschließen. Diese findet am Montag, dem 15. März um 12.00 Uhr europaweit als wichtiges Zeichen gegen den Terror und Ausdruck des demokratischen Widerstands statt.
Keinerlei Rechtfertigung kann es für die grausamen Attentate geben. Sie sind durch nichts zu legitimieren – weder politisch, noch religiös. Die Urheber sind als Verbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Gleichzeitig wenden wir uns speziell an die islamische Gemeinschaft mit dem dringenden Appell in dieser traurigen und bedrückenden Zeit, in der aus vielen Kommentaren herauszuhören ist, dass das Misstrauen gegen Muslime generell wächst, durch persönliches Auftreten aktiv die große Verantwortung wahrzunehmen, den friedlichen Weg des Dialogs zu fördern. Theologisch gibt es keine Handhabe, die Massaker, noch dazu an völlig unbeteiligten, unschuldigen Zivilisten, irgendwie rechtfertigen könnten. Eine klare islamische Haltung, die im friedlichen Zusammenleben sichtbar macht, das unser Auftrag im „Wetteifern um gute Taten“ liegt, soll unseren Beitrag darstellen, dass ein Klima des sozialen und religiösen Friedens in Europa Bestand hat. Respekt und Akzeptanz von Menschen anderen Glaubens und anderer Weltanschauung sind ein Gebot.
„… Und wenn Allah gewollt hätte, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Doch er wollte euch prüfen in dem, was er euch gegeben hat. Darum wetteifert miteinander in guten Werken. …“ (Koran 5:48).
Prof. Anas Schakfeh
Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft
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IGGiÖ – Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
IRG – Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
Bergstrasse 6, 6900 Bregenz, Tel.: 0650 888 0700
Pressekonferenz am 19. März 2004
Terroranschläge in Madrid - Verantwortungslose Äußerungen der FPÖ
Als Repräsentant des höchsten Vertretungsgremiums der in Österreich, Vorarlberg, lebenden Muslime verurteilen wir die Terroranschläge in Madrid aufs schärfste. Keine Lehre rechtfertigt eine solche Tat. Kein Glaube erlaubt Zerstörung. Keine Religion gestattet Terror, Mord und Verderben. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt den Hinterbliebenen der Opfer. Den Verletzten wünschen wir eine baldige Genesung. Wir
beten für eine friedliche Welt, die frei ist von Gewalt und Terrorismus.
Der Terrorismus ist wohl die Geißel unseres Jahrhunderts. Er hat keine Nationalität, keine Religion und keine Sprache. Egal woher er kommt und mit welchen Zielen er agiert, es gibt für ihn keine Rechtfertigung. An dieser Stelle sollte auch nicht relativiert werden. Zweifellos hat der Terror Ursachen, denen wir uns auch als Herausforderung widmen müssen. Terror sollte als solcher immer ohne Attribute bezeichnet werden. Denn egal ob diese Verbrecher an der Menschlichkeit die Bibel, den Koran, die Thora oder Marx' "Kapital" als moralische Rechtfertigung für ihre Taten zugrunde legen, sie bleiben doch nichts anderes als Verbrecher und tun den Quellen, auf die sie sich berufen, Unrecht. Schuld sind nicht die Religionen und die Lehren, sie sind vielmehr Opfer.
Was auch immer in den Köpfen der Täter vorgegangen sein mag, eines haben sie mit den Anschlägen erreicht. Die gesellschaftliche Atmosphäre ist nachhaltig gestört. Besorgt schaut man in Bus, Bahn und Flugzeug auf die Sitznachbarn. Jeder Muslim, jede Muslima die als solche in der Öffentlichkeit zu erkennen ist oder Menschen, die man für Muslime hält, lösen Unbehagen und Angst aus. Die Muslime ihrerseits müssen sich bei jeder Gelegenheit erklären und Stellung beziehen.
Verantwortungslose Äußerungen von Politikern, die aus wahltaktischem Kalkül Ängste und Vorurteile gegen Muslime weiter schüren und die oft undifferenzierte Medienberichterstattung die, Islam, Muslime und Terror in einem Atemzug nennt, gefährden den sozialen Frieden in unserem Land. Es ist erschreckend, wie der Vorarlberger Klubobmann der FPÖ, Herr Ernst Hagen, versucht, die Angst der Menschen auszunützen und damit Politik zu machen. Damit wird ein Zusammenleben in Integration in unserem Land unmöglich gemacht. Deshalb appellieren wir an alle Verantwortlichen diesen Fehlentwicklungen einen Riegel vorzuschieben.
Gleichzeitig wenden wir uns an die islamische Gemeinschaft mit dem dringenden Appell in dieser traurigen und bedrückenden Zeit, in der aus vielen Kommentaren herauszuhören ist, dass das Misstrauen gegen Muslime generell wächst, durch persönliches Auftreten aktiv die große Verantwortung wahrzunehmen, den friedlichen Weg des Dialoges zu fördern.
Seit über 40 Jahren leben Muslime in Vorarlberg. Und seit Jahrzehnten gibt es die verschiedenen muslimischen Gruppierungen in unserem Land. Wie auch unser Sicherheitsdirektor, Herr Elmar Marent, berichtet hat, ist es bis heute zu keiner einzigen Straftat in diesen muslimischen Gruppierungen gekommen. Alle in unserem Land lebenden Muslime und die verschiedenen muslimischen Gruppierungen halten sich an die Verfassung, an Österreichs Gesetze.
Die in Österreich und in unserem Land lebenden Muslime sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft und haben sich seit jeher zur Aufgabe gemacht, mit der ihnen zur Verfügung stehenden Infrastruktur, sich aktiv in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen, sowie Verantwortung für die Entwicklung unseres Landes zu übernehmen.
Die Islamische Glaubensgemeinschaft begrüßt alle Stimmen, die sich in einer Zeit großer Emotionalität für Besonnenheit aussprechen und im Gegensatz zu voreiligen Schlüssen auf einen „Kampf der Kulturen“ die unbedingte Notwendigkeit betonen, allein den „Dialog der Kulturen“ als Möglichkeit des friedlichen und gerechten Umgangs miteinander zu fördern und zu intensivieren.
„Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich. Wehre das Schlechte mit dem Besseren ab…“ (Koran 41:34)
Abdi TASDÖGEN
Vorsitzender der IRG-Bregenz
Mitglied des Obersten Rates der IGGiÖ
Islamische Glaubensgemeindschaft in Österreich
Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
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