Was macht eine Moschee zur Moschee?
Grund und Gebäude müssen im Eigentum erworben werden und die Anlage mit der Absicht eine Moschee zu schaffen, errichtet worden sein. Eine Moschee soll vor allem Offenheit ausstrahlen, frei zugänglich sein für Männer wie Frauen, gleich welcher Nationalität. Die fünf täglichen rituellen Gebetszeiten sollen im Gemeinschaftsgebet verrichtet werden können. Also morgens vor Sonnenaufgang, mittags, wenn die Sonne im Zenit steht, nachmittags, sobald die Schatten länger werden, zu Sonnenuntergang und bei völliger Dunkelheit. Freitags hält ein Imam eine Khutba, das Freitagsgebet mit Ansprache.
Jede Moschee besitzt einen Mihrab, die Gebetsnische, die die Gebetsrichtung nach Mekka (in Österreich Süd-Südost) anzeigt. Daneben gibt es einen Minbar, die Kanzel, von der aus der Imam das Wort an die Gemeinde richtet. Die Schuhe werden beim Betreten des Gebetsraumes aus Gründen der Hygiene abgelegt. Denn die Teppiche dienen dem Niedersitzen und auf ihnen werden die rituellen Gebetsbewegungen ausgeführt.
Sind Minarette ein bauliches Machtsymbol?
Minarette haben für Muslime vor allem eine praktische Funktion. Durch sie wird das Gebäude als Ort des Gebets auch aus der Ferne erkennbar. Zu unterstellen hier würde ein Hegemonialanspruch symbolisch ausgedrückt, ist unsinnig. Allerdings ist dieser Vorwurf alles andere als neu, sondern war in Österreich lange Jahre ein zentraler Grund, Evangelischen die Errichtung von Kirchtürmen zu untersagen. Die Dominanz des Katholischen im Habsburgerreich sollte nicht in Frage gestellt werden. – „Wessen Land, dessen Religion“: So wie in Europa über Jahrhunderte religiöser Pluralismus durch strenge Reglementierung der Religionspraxis im öffentlichen Raum gehandhabt wurde, dürfen wir uns über so manche Befindlichkeit nicht wundern. Tatsächlich drücken sichtbare Sakralbauten auch ein Stück Selbstbewusstsein der Gläubigen für andere aus, die eigene Religion ganz selbstverständlich zu leben. So wird im Dialog vor allem herauszuarbeiten sein, dass mit einem Minarett keinesfalls eine Geringschätzung anderer religiöser Praxis einhergeht oder die Muslime „die Herrschaft des Islam“ anstrebten. So absurd für Muslime in Österreich auch die mit populistischen Begriffen wie „Islamisierung Europas“ implizierte Unterstellung ist, sie wollten den demokratischen Rechtsstaat untergraben, soll angesichts bestehender, zum Teil geschürter Ängste das Bekenntnis zur Gewaltenteilung in Österreich und zum bestehenden Verhältnis zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften - der säkularen Ordnung – deutlich herausgestrichen werden.
Was bedeutet der Gebetsruf für Muslime?
Früher stieg der Muezzin als Gebetsrufer auf den Turm. Heute wird der Ruf meist von unten über Lautsprecher übertragen. In Österreich freilich haben wir mit Ausnahme der Moschee an der Neuen Donau in Wien, die bis auf eine kleine Siedlungsanlage nach drei Seiten offen ist, und in diese unbewohnte Richtung die Lautsprecher tagsüber richtet, keinen Ruf nach draußen. In Telfs gab es sogar eine entsprechende Vereinbarung, eine Verzichtserklärung der Moscheegemeinde, im Zuge der Gespräche zur Beilegung schwelender Konflikte um den Bau. Theologisch ist der Gebetsruf nicht als fixer Bestandteil des Gebetsauflaufs vorgeschrieben, was die Sache hier erleichtert. Rein praktisch müssen sich die Muslime in Österreich ohnehin vor allem an speziellen Kalendern orientieren, die für jeden Tag im Sonnenjahr die Gebetszeiten auf die Minute genau angeben, also jeweils jenen zeitlichen Rahmen, innerhalb dessen das Gebet verrichtet werden sollte. Der Ruf spielt also als Erinnerung eine völlig untergeordnete Rolle, denn wer sich in einen Gebetsraum aufmacht, dann gezielt und in der Regel mit einem längeren Weg verbunden. Die Behandlung des Themas „Gebetsruf“ kann auch als Beispiel dafür gelten, wie in der Theologie mit der nötigen Frage nach Prioritätensetzung umgegangen wird. Abzuwiegen ist der Auftrag aus dem Koran Nachbarschaftsrechte zu wahren mit dem religiösen Bedürfnis, den Gebetsruf zu hören. Ein gutes nachbarschaftliches Einvernehmen steht hier in Österreich gewiss im Vordergrund.
Dass sich der Gebetsruf zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat, sei an dieser Stelle zumindest erwähnt. Moderne Wecker speichern die Stimme berühmter Muezzine der muslimischen Welt, die durch geschickte Programmierung zeitgerecht und ortsgebunden erklingt. In manchen Städten haben die verschiedenen Tageszeiten oder Wochentage bei natürlich gleichem Text verschiedene Intonationen.
Wie gestaltete sich die architektonische Entwicklung der Moschee?
Die erste Moschee in Medina war äußerst bescheiden gehalten, nicht einmal vollständig überdacht. Der Boden war ein gestampfter Lehmboden. Ein Minarett gab es noch nicht. Im Zuge der Ausbreitung des Islam entwickelte sich der Wunsch nach repräsentativeren Gebäuden. Baumeister und Kunsthandwerker waren mitunter nichtmuslimischen Glaubens, Christen, die durch den Kirchenbau Erfahrungen mitbrachten. Weil die Anbetung von Bildern und Statuen oder deren Benutzung als Andachtsobjekte im Islam abgelehnt wird, entwickelten sich Kalligraphie, Mosaik und bemalte Fliesen stark als Elemente der Ausschmückung. Moscheen weisen jeweils landestypische Züge durch die Verwendung dortiger Baumaterialien und Einbeziehung lokaler Bautraditionen auf. Auch der moderne Moscheebau, der sehr kreativ mit neuen Formen spielt, zeigt, welch große Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten hier vorliegt.
Gibt es aus theologischer Sicht sprachliche Vorgaben für die Abhaltung des Gebets?
Das rituelle Gebet enthält als wesentlichen Bestandteil die Rezitation aus dem Koran. Da der Koran für die Muslime Wort Gottes ist, ist das unmittelbare Erleben auch der arabischen Sprache, in der er offenbart wurde, von spiritueller Bedeutung. Die Problematik, dass jede Übersetzung eine Interpretation bedeutet, kommt hinzu. Arabisch ist also eine verbindende Sprache für die Muslime. Allerdings soll der Inhalt dessen, was rezitiert wird, erfasst werden. So gibt es Koranausgaben, die auf der einen Seite das Original, daneben die Übertragung in eine andere Sprache und womöglich unten weitere Anmerkung als Exegese (arabisch Tafsir) aufweisen. Natürlich ist in jedem Gebet auch Platz für das ganz persönliche Gespräch mit Gott in der Muttersprache.
Die Freitagspredigt soll von den Gläubigen verstanden werden und wählt daher jene Sprache, die von den jeweiligen Besuchern am besten beherrscht wird. In Österreich wird die bisherige daraus erfolgende Teilung nach der nationalen Herkunft zunehmend nicht nur durch stärkere Vernetzung der Moscheegemeinden untereinander aufgeweicht, sondern vor allem durch die hier geborenen Generationen, die zum Teil besser Deutsch als die Muttersprache sprechen, bzw. die muslimische Gemeinschaft „gemischt“ vorziehen. So ist eine Entwicklung absehbar, wann auch das Deutsche in den Moscheen immer selbstverständlicher wird. Dass daneben Gebetsräume einen wesentlichen Beitrag leisten, Zweisprachigkeit zu erhalten, soll kein Fehler sein.
Sozialer Knotenpunkt „Moschee“
Eine Moschee ist viel mehr als lediglich ein Ort der Andacht, sondern als Versammlungsort eine Möglichkeit des sozialen Miteinanders. In der muslimischen Stadt waren und sind in unmittelbarer Verbindung oft Bildungseinrichtungen untergebracht. Menschen in Not finden hier ein soziales Netz der ersten Unterstützung. Auch Spitäler sind oft in direkter Nachbarschaft angesiedelt.
Wie sehr sind Gebetsräume in Österreich sozial in den Stadtteilen integriert?
Wenn Muslime ein ganzes Spektrum weiterer Angebote von der Kantine, übers Lebensmittelgeschäft bis zum Friseur ihrer Moschee angliedern, wird dies oft misstrauisch beäugt. Schnell ist die Rede von einer „Parallelgesellschaft“. Hier ist stärker zu vermitteln, dass gerade solche angeschlossenen Einrichtungen auch zur Offenheit nach außen beitragen können, indem sie auch von Nichtmuslimen zu nutzen wären. Schwellenangst besteht häufig schon wegen der oft wenig attraktiven Lage der Örtlichkeiten in Hinterhöfen und ehemaligen Industrieanlagen. Aber auch Muslime sind aufgerufen, stärker den Kontakt zu suchen und mit einfachen Mitteln wie Anschlagstafeln sich nicht nur über eher zufällig hereingekommene interessierte Besucher zu freuen, sondern auch nach draußen ein einladendes Bild zu vermitteln und solche Besuche damit zu fördern.
„Tage der offenen Tür“ sind in den vergangenen Jahren populär geworden, um Berührungsängste zu überwinden. Im Ramadan werden vielerorts die Nachbarn zu einem gemeinsamen Mahl anlässlich des abendlichen Fastenbrechens eingeladen. In enger Zusammenarbeit mit der Wiener MA 17, zuständig für Integrationsfragen, wurde die Bevölkerung speziell zum Ramadan informiert, wenn die Gebetsräume auch am späteren Abend zu speziellen Gebeten noch genutzt werden. Gebetsräume werden als Veranstaltungsort zur interkulturellen und interreligiösen Begegnung zunehmend geschätzt. Schulklassen unternehmen Exkursionen, Berufsgruppen von der Exekutive bis zur Lehrerschaft kommen um einen direkten Einblick in die Lebenswelt der Muslime zu gewinnen, sich zu informieren und diskutieren. Auch eine Buchpräsentation fand bereits in einem Gebetsraum statt, als ein österreichischer Verlag ein Buch mit Islambezug vorstellte.
Freilich sind alle derartigen Anstrengungen abhängig von den sprachlichen Möglichkeiten der Kommunikation. Das Bewusstsein für die Bedeutung, die deutsche Sprache zu beherrschen ist inzwischen vorhanden und wird zunehmend auch von muslimischen Multiplikatoren eingefordert. Integrationsprojekte nutzen häufig die Vernetzung über einen Gebetsraum. Sprachkurse werden dort besonders für Frauen abgehalten. Genutzt wird aber auch die Chance, MigrantInnen unmittelbar zu erreichen, um allgemeine wichtige Informationen zu verbreiten. Verschiedene Institutionen und Behörden legen Infomaterial auf oder sind gelegentlich vor Ort.
Alles in allem hat sich in letzter Zeit viel zum Positiven verändert, was nicht heißt, dass nicht noch viel mehr zu leisten wäre. So wie wir betonen, dass Integration keine Einbahnstraße ist, sollen die Muslime hier auch aktiv ihre Möglichkeiten dazu beizutragen ausschöpfen.
Die Moschee – ein Ort „nur für Männer“?
Alle religiösen Aufgaben, die zentralen Säulen Glaubensbekenntnis, Gebet, sozial religiöse Pflichtabgabe, Fasten im Ramadan und Pilgerfahrt richten sich an Männer wie Frauen, genauso wie ethische Prinzipien gleiche Gültigkeit genießen. Für Frauen sind mitunter Erleichterungen vorgesehen. So ist das Fasten nach einer Geburt untersagt, um ihre Gesundheit und die des Babys zu schützen. In Berücksichtigung dass die Frau durch die Versorgung von Kindern womöglich unabkömmlich ist, ist ihr freigestellt dem freitäglichen Mittagsgebet in der Gemeinschaft der Moschee beizuwohnen oder es auch allein zu Hause zu verrichten. Ihr Besuch ist allerdings höchst willkommen. Dazu ist auch ein Ausspruch des Propheten Muhammad überliefert, der davor warnte, Frauen am Besuch der Moschee zu hindern. Von den ersten Musliminnen ist überliefert, wie präsent sie in der Moschee waren und diese Zeit der Versammlung auch nutzten, Anliegen vorzubringen oder wichtige Themen zu diskutieren. Dass Frauen durch vermehrte auch religiöse Bildung sich in den vergangenen Jahren stärker ihrer Rechte und Möglichkeiten besinnen und diese einfordern, hat dazu geführt, dass Frauen zahlreicher am Gemeindeleben auch unmittelbar in den Gebetsräumen teilhaben. Auch in Funktion, etwa im Unterrichten von Islam oder Koranrezitation oder in der Seelsorge.
Mit einem eigenen Moscheebau, der andere räumliche Möglichkeiten als enge Provisorien hat, steht auch in Aussicht, dass das mitunter vorgebrachte Argument, Frauen seien ja nicht direkt zum Gebet in der Moschee verpflichtet und sollten bei Raummangel daher den Männern den Vorzug geben, zum Verschwinden gebracht wird.
Eine „strenge Geschlechtertrennung“ ist in der Moschee nicht nötig. Zusammenarbeit und offene Zugänglichkeit im Rahmen von Bildungsveranstaltungen entwickelt sich zunehmend zum Normalzustand. Einzig während des Gemeinschaftsgebets sind Männer und Frauen räumlich voneinander getrennt, wozu sich verschiedene Möglichkeiten der baulichen Umsetzung entwickelt haben, von der Empore bis zu Seitenteilen. Wer den körperlichen und bei voller Moschee gedrängten Ablauf erlebt hat, kann auch nachvollziehen, dass es hier nicht um irgendeine Hierarchie geht, sondern dies der Kontemplation für beide Seiten im Gebet dient.
Wie ist das Verhältnis zu den Sakralbauten anderer Religionen geprägt?
Im Koran heißt es in der Sure Abraham, im Vers 40: „…Und hätte Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, wären viele Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Allahs Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden.“ Deutlicher kann man die Akzeptanz anderer Glaubensformen und ihrer Praktizierung nicht ausdrücken, Respekt und Schutz einfordern. Der Kalif Omar besuchte nach der Öffnung Jerusalems für die Muslime demonstrativ eine Kirche, betete aber draußen, um zu zeigen, dass ihr Status nicht angetastet werden dürfe. Eine Ausnahme stellt daher der Umgang mit der Hagia Sophia dar, die in der Zeit der Osmanen zur Moschee gemacht wurde. Der moderne türkische Staat unterhält das Gebäude nun als Museum.
Wie werden die Gebetsräume organisiert?
Noch ist der ethnische Hintergrund bei den Moscheevereinen ein wichtiges Kriterium. Die Muttersprache führt zusammen. Von daher heißt es oft im allgemeinen Sprachgebrauch. „die bosnische“, „die türkische“ oder „die arabische“ Moschee, je nachdem welches Publikum sich hier vor allem trifft. Es gibt einige große Dachverbände, die zum Teil ein größeres Netz von Gebetsräumlichkeiten betreiben. Von türkischstämmiger Seite sind dies die „Union islamischer Kulturzentren“, die „Islamische Föderation“ oder auch „ATIB“. Auch die Bosniaken haben sich in größeren Verbänden zusammengeschlossen. Vertreter der Moscheevereine sitzen in den verschiedenen Gremien der Islamischen Glaubensgemeinschaft.
Wie werden Imame bestellt?
Der Islam kennt keine Trennung zwischen Laien und Priestern. Zum Imam kann prinzipiell jeder berufen werden, der theologisch ausreichend geschult ist, den Koran gut vortragen kann und in seinem Lebenswandel ein gutes Zeugnis für den Islam ablegt. Wichtig ist, dass ein Imam von seiner Gemeinde wirklich geschätzt wird und sich nicht in eine Funktion hineindrängt. In den Gebetsräumen sind gerade bei kleineren Einrichtungen Imame ehrenamtlich tätig und gehen einem Brotberuf nach. So sind sie nicht bei allen Gebetszeiten anzutreffen, sondern vor allem für das Freitagsgebet zuständig. Bei den anderen Gebetszeiten machen sich die anwesenden Personen jeweils untereinander aus, wer wohl am ehesten geeignet ist vorzubeten. Bei arabisch geprägten Gebetsräumen ist dies häufig anzutreffen, während die türkischen und bosnischen Gemeinden eher danach streben, fix eine Person anzustellen. Wegen der in Österreich bisher noch nicht entwickelten Möglichkeit der eigenen Imameausbildung werden diese Imame daher häufig aus dem Ausland eingeladen. Wenn eine Moscheegemeinde einen entsprechenden Kandidaten ins Auge gefasst hat, so werden dessen Bewerbungsunterlagen der Islamischen Glaubensgemeinschaft vorgelegt, die ihrerseits grünes Licht zur weiteren Bearbeitung der Visumformalitäten geben muss. Damit liegt die Bestellung der Imame in den Händen der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Damit ist Transparenz gewährleistet und man kann direkt danach schauen, dass die Linie der Islamischen Glaubensgemeinschaft wie sie etwa aus den diversen Abschlusserklärungen der Imamekonferenzen ablesbar ist, von allen Seiten getragen wird. Ein Überblick entsteht, welche Personen als Imame fungieren. Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat sich schon lange der Thematik notwendiger Deutschkenntnisse und Bewusstsein für Besonderheiten des österreichischen Gesellschaftslebens und öffentlicher Debatten angenommen. Schließlich sollen Imame als Multiplikatoren die Lebenswirklichkeit ihrer Gemeinden begreifen, um auf spezielle Fragen von der Wichtigkeit des Besuchs von Elternabenden bis zu Anforderungen eines harmonischen Zusammenlebens eingehen können. Imame werden so schon seit längerem zur Aneignung von Deutschkenntnissen verpflichtet. Anders sieht es aus, wenn ein österreichischer Staatsbürger, der schon lange in Österreich lebt, als Imam fungiert. Hier ist nicht mehr automatisch gegeben, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft von allen diesen Personen Kenntnis hat. Daher ist die Möglichkeit einer Registrierung vorgesehen, die die Vernetzung und Zusammenarbeit erleichtern soll. Zeugnis dieses internen Gedankenaustausches ist vor allem das Abschlussdokument der Ersten Österreichischen Imamekonferenz von 2005.
Wie sehr können Imame den Integrationsgedanken in die Gemeinden tragen?
Die Imamekonferenz bekräftigte die Einsicht, welche großen Möglichkeiten Imamen zukommt, für das aufeinander Zugehen, ein Miteinander einzutreten und die Integration zu fördern. Der eigens entstandene Begriff der „Integrationstheologie“ beleuchtet, dass ein religiöses Gebot dahinter steht, positiv zum gesellschaftlichen Einvernehmen und dem Allgemeinwohl beizutragen. In der Praxis sind der Umsetzung leider oft Grenzen gesetzt. Imame aus dem Ausland die als Seelsorger ihre Aufenthaltsberechtigung nur begrenzt erhalten, sehen keine Chance, sich dauerhaft in Österreich niederzulassen. Ihre Motivation ist daher eingeschränkt, die deutsche Sprache umfassend zu erlernen oder sich tiefer mit dem Leben in Österreich zu beschäftigen. Eine eigene Ausbildungsstätte wäre darum wichtig, so dass Imame in Zukunft hier in Österreich ausgebildet werden können. Auch die politischen Weichenstellungen, Imamen einen Anreiz auf stärkere Einbindung in Österreich durch die Aussicht auf Daueraufenthalt und Erwerb der Staatsbürgerschaft zu geben, wären hilfreich.
Sind Moscheen in Österreich eine Gefahr in Richtung Radikalisierung?
Kein Imam, der als sprichwörtlich gewordener „Hassprediger“ auftreten wollte, würde von seiner Gemeinde toleriert werden. Hier funktioniert in einem Klima, das von einem Bemühen um den islamischen Weg der Mitte gekennzeichnet ist, Extreme meidet und ablehnt, eine innermuslimische Sicherung des sozialen und religiösen Friedens. Selbstkontrolle ist effizient. Dem aktuellen Bericht des Verfassungsschutzes ist daher zuzustimmen, dass die Aufmerksamkeit viel eher auf einzelne Personen gerichtet sein soll, die von dieser Linie abweichen und in privat gehaltenen Zusammenkünften und über Internet miteinander kommunizieren. Diese sehr kleine „Szene“ ist allerdings bekannt und bisher keinesfalls dadurch aufgefallen, dass sie in irgendeiner Weise Gewaltbereitschaft an den Tag legen würde. Moscheen, gerade wenn sie sichtbarer werden, vermitteln in hohem Maße Transparenz und können so gerade ein Bollwerk gegen Fanatismus und Extremismus sein.
Warum unterhält die Islamische Glaubensgemeinschaft keine eigene Moschee?
Dies ist vor allem eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Die Muslime in Österreich sind weder eine finanzkräftige Gruppe, noch im Besitz ererbter Güter. Von der öffentlichen Hand gibt es keine Finanzhilfe zur Errichtung muslimischer Infrastruktur. In den vergangenen Jahren standen auf der Prioritätenliste andere Anliegen, vor allem Bildungsinstitutionen: Die IRPA in Wien zur Ausbildung der künftigen Fachkräfte für den Religionsunterricht an den Schulen und die Islamische Fachschule für soziale Bildung als speziellem Angebot zur beruflichen Qualifikation und Orientierung nach der Pflichtschule. Außerdem verlangte die Einrichtung des ersten islamischen Friedhofs in Wien nach Mitteln.
Bisher konnten die Vereine dem Bedürfnis nach Zusammenkunft in Gebetsräumen durch ihre Angebote einigermaßen entsprechen. Die Zusammenarbeit, wenn etwa Räumlichkeiten für diverse Zwecke genutzt wurden, funktioniert ausgezeichnet.
Gibt es Pläne zur Errichtung einer Moschee der Islamischen Glaubensgemeinschaft?
Derzeit gibt es kein konkretes Bauvorhaben. Von dem Bedarf ist aber gewiss zu sprechen, denn ihn gibt es in zunehmendem Maße. Das hat nicht nur mit dem Wunsch zu tun, würdigere Räumlichkeiten für die Glaubensausübung zu schaffen. Hier zeigt sich auch der Grad der Integration, den Muslime bereits erreicht haben. Sie sind in Österreich „angekommen“ und haben das nachvollziehbare Anliegen von Provisorien weg zu dauerhaften, zukunftsorientierten Einrichtungen zu kommen. Integration ist auch innermuslimisch zu leisten. Ethnische Zuschreibungen treten in dem Maße weniger in den Vordergrund, wie das Bewusstsein als „Muslim in Österreich“ mit der damit zusammenhängenden Prägung steigt. Gerade bei der zweiten und dritten Generation ist die von der Islamischen Glaubensgemeinschaft geförderte Tendenz, für sich persönlich die Vereinbarkeit einer Identität als Österreicher/in mit jener sich als Muslim/in zu begreifen, immer stärker zu erleben. An diesen Bedürfnissen müsste eine Moschee orientiert sein und damit einen positiven Beitrag leisten, den innermuslimischen Diskurs wie allgemeinen Dialog in Österreich zu fördern, offen für alle ethnischen Hintergründe und muslimischen Rechtsschulen sein. Kommunikationssprache wäre als verbindende Sprache für alle vornehmlich Deutsch.
Welche Haltung hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Bezug auf die mitunter geforderte „Reziprozität“? - Also dass Muslime in Österreich erst dann mit voller Unterstützung für ihre Moscheebaupläne rechnen dürften, wenn alle Christen in der muslimischen Welt mit Kirchen versorgt wären?
Selbstverständlich nehmen wir das, was wir uns an Ermöglichung der freien und öffentlichen Religionsausübung wünschen, nicht für uns alleine heraus, sondern stehen dazu, dass Religionsfreiheit ein allgemeines und respektiertes Gut sein soll.
Es ist allerdings für uns nicht nachvollziehbar, warum Muslime in Österreich, immerhin zu bald einem Drittel auch österreichische Staatsbürger, dafür in eine Art Geiselhaft genommen werden sollten, was sich in einigen Ländern der großen muslimischen Welt abspielt, wobei sie selbst nicht einmal die politische Möglichkeit haben, an dortigen Zuständen etwas zu ändern. Als Einmischung in innere Angelegenhit wäre dies selbst für Diplomaten ein Gebiet, das Fingerspitzengefühl verlangt. Darüber hinaus kann man Muslimen in Österreich wohl kaum den Vorwurf machen, sie würden das Menschenrecht der Religionsfreiheit nur zu ihrem eigenen Nutzen behandeln. Im interreligiösen Dialog und in der Zusammenarbeit kann man eine stetige Verbesserung der Qualität verzeichnen.
Problematisch an einer solchen Forderung ist auch, dass sie unterschwellig den Eindruck erweckt, in der muslimischen Welt gebe es überwiegend grobe Mängel für Christen. Dabei haben sich gerade im orientalischen Raum die Vielfalt der christlichen Kirchen erhalten, mischen sich vielerorts in den Ruf des Muezzin die Kirchenglocken. Anmerken sollte man auch, welche Verbesserungen in jüngster Zeit bekannt wurden. In den Emiraten werden große Pläne zum Kirchenbau bewilligt und wurden kürzlich reguläre diplomatische Beziehungen zum Vatikan aufgenommen.
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