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| Kundmachung der IGGiÖ |
Im Namen des Gnädigen und sich Erbarmenden Gottes
Der Oberste Rat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich gibt gemäß Artikel 20 Abs. 3, 4 und Artikel 47 Abs. 1, 2 und Artikel 50 Abs. 1, 2 Verf. IGGiÖ in Verbindung mit Artikel 1 Abs. 1, 9, 11 und Artikel 2 Abs. 1 und Artikel 3 Abs. 1, 3, 4 Wahlordnung der IGGiÖ, bekannt:
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| Dialogkultur zwischen Juden und Muslimen in Österreich nicht gefährden! |
Zurückweisung unqualifizierter Angriffe der Israelitischen Kultusgemeinde auf eine Demonstration als „antisemitisch“
Von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bis US-Präsident Obama, von Gremien der EU bis zum Wiener Gemeinderat drückten maßgebliche politische Stimmen ihre Ablehnung des Angriffes israelischer Streitkräfte auf die Hilfsflotte für Gaza aus, dem neun türkische Friedensaktivisten zum Opfer fielen. Durch den internationalen Druck sieht sich der Staat Israel derzeit genötigt, seine Blockadepolitik gegen Gaza zu überdenken.
Vor diesem Hintergrund muss es sehr verwundern, dass die Israelitische Kultusgemeinde eine Demonstration, die genau jene Kritik zum Ausdruck brachte, wie sie weltweit gegen die Politik des Staates Israel laut wurde, frontal angreift. Dabei wird eine inhaltliche Auseinandersetzung vermieden. Stattdessen soll die Strategie diese Demonstration pauschal als „antisemitisch“ zu diffamieren wohl jene für sie bequemen Denkschranken aufrecht halten, mittels derer die Politik Israels niemals kritisch in Frage zu stellen sei.
Als Islamische Glaubensgemeinschaft wiederholen und bekräftigen wir unsere Position, dass Kritik an der umstrittenen Politik des Staates Israel niemals in Antisemitismus münden darf. Der Konflikt im Nahen Osten ist ein politischer Konflikt und keinesfalls ein religiöser. In den Redebeiträgen der Demonstration zog sich dieser Gedanke wie ein roter Faden hindurch. Zwei jüdische Rednerinnen konnten dies durch ihre Beiträge verdeutlichen. Besonders weisen wir die unqualifizierten Angriffe auf Omar Al Rawi aufs schärfste zurück. Dies ist weder ein Konflikt zwischen Juden und Muslimen, noch einer zwischen Arabern/ Türken und Juden in Österreich. Im Gegenteil: Wir beziehen in Österreich eine klare Position im Kampf gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Und hier ist gerade Omar Al Rawi ein bekannter und anerkannter Proponent.
Aus tiefer Überzeugung und nicht aus gesellschaftspolitischem Kalkül haben wir jede Form des Antisemitismus immer verurteilt und treten aktiv dafür ein, hier in alle Richtungen bewusstseinsbildend zu wirken. Das lange und nachhaltige Engagement im interreligiösen Dialog spricht eine deutliche Sprache. Auch während der Konflikt im Nahen Osten seine Schatten nach Österreich wirft, finden Treffen zwischen Juden und Muslimen auf der Ebene des Dialogs statt und wird bei religiösen Themen mit Österreichbezug zusammengearbeitet.
Wir warnen davor, dieses gesellschaftliche Klima gegenseitigen Respekts und Akzeptanz aufs Spiel zu setzen, indem rechtschaffene Menschen, aufrechte Antifaschisten und Gegner jeglicher Art von Diskriminierung als „Hetzer“ ins Eck gestellt werden sollen. Sie dürfen auch nicht in Geiselhaft jener zwei oder drei Gestalten genommen werden, die außerhalb der Demonstrationskultur der Kundgebung agierten. Mit der Verurteilung inakzeptabler Plakattexte wissen wir uns eins mit den Veranstaltern der Demonstration. Bei der Demonstration war gleichzeitig positiv zu bemerken, dass untereinander scharf beobachtet wurde, dass solchen Äußerungen kein Raum gegeben wird. Selbstverständlich sind auch jegliche Übergriffe auf Juden in aller Entschiedenheit zu verurteilen.
Wir hoffen, dass der bisherige Konsens zwischen der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde eine fruchtbare Dialogkultur in Österreich zu pflegen, erhalten bleibt, obwohl wir wissen, dass wir in der Palästinafrage verschiedener Meinung sind.
Wien, am 16. Juni 2010
Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
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| Israelischer Angriff auf Solidariätsflotte im Mittelmeer |
Auf das Schärfste verurteilen wir das blutige Vorgehen der israelischen Marine und Armee gegen die Hilfsflotte für Gaza. Diese völkerrechtswidrige exzessive Gewaltanwendung in internationalem Gewässer kostete wahrscheinlich das Leben von mindestens zehn FriedenaktivistInnen. Einmal mehr ignoriert die israelische Regierung Mindeststandards des Völkerrechts – wie schon im Libanon Krieg 2006 und Gaza Krieg 2008/2009. Wenn ständig sanktionslos internationale Abkommen gebrochen werden, dann meint die israelische Regierung wohl, sie stünde über dem Völkerrecht und könne sich alles erlauben.
Dieser Angriff darf daher nicht allein als eine Angelegenheit des Nahen Ostens gesehen werden. Mit dieser Aktion nimmt Israel die Internationalisierung des Konflikts scheinbar bewusst in Kauf. Der Angriff ist nicht nur als Angriff auf die PalästinenserInnen zu verstehen, sondern betrifft vor allem Europa. Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan Maguire, der bekannte schwedische Autor Henning Mankell, die beiden deutschen Parlamentarierinnen Inge Höger und Annette Groth, sowie Abgeordnete aus Norwegen, Schweden, Bulgarien, Irland und viele weitere EuropäerInnen wurden hier zur Zielscheibe dieser aggressiven und menschenverachtenden Politik. Entlarvend ist die Verhängung einer Nachrichtenzensur, wodurch bis jetzt keine Aufklärung über die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten und deren Identität gegeben ist. Auch die Kommunikationssperre in Bezug auf die widerrechtlich verschleppten hunderten AktivistInnen, deren Schiffe mit Gewalt nach Israel gebracht wurden, fällt in dieses Bild der propagandistischen Unterdrückung für die israelische Regierung unangenehmer Tatsachen. Die verschleppten Menschen sollen umgehend freigelassen werden. Es bedarf internationalen Drucks, um eine rasche und lückenlose Aufklärung, möglichst durch unabhängige internationale Organe, zu gewährleisten.
Wir fordern die Österreichische Bundesregierung und die Europäische Union auf, eine eindeutige Verurteilung des Gewaltakts auszusprechen und die militärische Kooperation des Bundesheeres mit Israel mit sofortiger Wirkung einzustellen. Kritische Worte reichen offensichtlich nicht aus, um die israelische Regierung zur Einhaltung internationaler Standards zu bringen. Wer beharrlich UNO-Resolutionen ignoriert und stattdessen immer neue Gewaltakte setzt, wird auch jetzt nicht auf die Sprache der Diplomatie reagieren, sondern nur auf politische, spürbare Konsequenzen. Sanktionen gegen Israel sehen wir als angezeigten Weg, diese Gewaltpolitik in die Schranken zu weisen.
Den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger ersuchen wir eine Weisung an den österreichischen UN-Botschafter zu erteilen, die Frage von internationalen Sanktionen gegen Israel auf die Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen. Diese Sanktionen sollten solange in Kraft bleiben, bis Israel die völkerrechtswidrige Abriegelung des Gazastreifens aufhebt.
An den Herrn Bundeskanzler Werner Faymann appellieren wir, seine für den 23. und 24. Juni 2010 geplante Reise nach Israel aus Protest abzusagen.
Den Hinterbliebenen und den Familien der Opfer gilt unser Mitgefühl.
Die Verantwortlichen für dieses Massaker im Mittelmeer müssen angeklagt und vor ein internationales Gericht gestellt werden.
Wien, 2. Juni 2010 weiterlesen »
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| Schlusserklärung der Imamekonferenz in Wien |
Erfolgreich ging die 3. Konferenz europäischer Imame und SeelsorgerInnen am Sonntag, 16. Mai mit einer gut besuchten Pressekonferenz zu Ende. Berichte über das Ereignis finden sich nun von Taiwan bis nach Kanada.
Hier die Schlusserklärung der Konferenz, die von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich organisiert worden war und vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, der Stadt Wien, dem Zukunftsfonds der Republik und der Europäischen Islamischen Konferenz unterstützt wurde.
„Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht….“ (Koran 2:143)
SCHLUSSERKLÄRUNG
Analyse der Ausgangssituation
„Die richtige Frage ist die Hälfte der Wissenschaft, die andere Hälfte ist das Vermögen zuzuhören.“ (Imam Ali)
Europäisches Selbstverständnis als „Vereint in Vielfalt“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Kaum ein Thema wird europaweit ähnlich intensiv diskutiert wie das Zusammenleben mit einer steigenden Zahl von Musliminnen und Muslimen. Aktuell leben ca. 54 Millionen Muslime in Europa, davon mehr als 40% in Russland und 16 Millionen in der EU. Häufig gerät dabei aus dem Blickfeld, dass es hier nicht um ein reines Zuwanderungsthema geht. Denn viele Millionen autochthone Muslime zeugen davon, dass der Islam seit Jahrhunderten ein lebendiger Bestandteil Europas ist und Spuren in den Kulturen und den Wissenschaften hinterlassen hat. Europa bekennt sich durch sein Motto „Vereint in Vielfalt“ zum Kulturpluralismus. Daher sollte eigentlich ein positiver Zugang zu Pluralismus gewährleistet sein. Je mehr jedoch Faktoren wie die Wirtschaftskrise und rapider gesellschaftlicher Wandel im Zuge der Globalisierung für Unsicherheit sorgen, steigt das Bedürfnis nach Halt in einer einheitlichen Identität.
Abgrenzung vom Islam als Mittel der Selbstdefinition wird zum Instrument des politischen Mainstream
Musste schon 2006 von den KonferenzteilnehmerInnen festgestellt werden, dass es „noch großer Anstrengungen bedürfe, um die Akzeptanz der Muslime in der Mehrheitsgesellschaft zu erreichen“, so hat sich daran nichts geändert. Vielmehr stellen die Delegierten mit Sorge fest, dass die damals beobachtete Tendenz populistischer Abgrenzung als Mittel ein „Wir-Gefühl“ zu erreichen, immer mehr zu einem Instrument auch des politischen Mainstream zu werden droht. Das Ergebnis des Referendums gegen Minarettbau in der Schweiz erscheint den Delegierten bedenklich, und es bereitet Sorge um Europa, wenn hier die muslimische Sichtbarkeit per Gesetz verhindert wird. Gerade in einer entwickelten Demokratie ist die Abstimmung über Minderheitenrechte nicht zulässig.
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| 3. Konferenz europäischer Imame und SeelsorgerInnen |
Die "3. Konferenz europäischer Imame und SeelsorgerInnen" findet unter Organisation der Islamischen Glaubensgemeinschaft am 14. und 15. Mai 2010 in Wien statt. Die Konferenz wird unterstützt vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, dem Zukunftsfonds der Republik Österreich, der Stadt Wien und der Europäischen Islamischen Konferenz.
Muslimische Multiplikatoren aus rund 40 Ländern Europas tagen
Unter den Teilnehmern sind Persönlichkeiten wie Mevlud Dudic, Rektor der Internationalen Universität in Novi Pazar aus Serbien, Muhammad Abdul Bari, Generalsekretär des Muslim Council of Britain aus Großbritannien, Ayatollah Reza Remazani, Leiter des Islamischen Zentrums in Hamburg und Nadeem Elyas, Gründer des Zentralrats der Muslime aus Deutschland, Mohammad Bechari, Generalsekretär der Europäischen Islamischen Konferenz aus Frankreich.
Wert wurde auf die Präsenz von Frauen gelegt, die sowohl bei den Vorträgen, als auch in der Workshopleitung eingebunden sind. Aus Russland kommt z.B. Alsu Sitdikova, Vize-Rektorin der Islamischen Universität Moskau, aus den Niederlanden Famile Arslan, Rechtsanwältin und Networkerin.
Im Sinne des erweiterten Austausches sind auch einige Gäste außerhalb Europas geladen, z.B. Marwan Faouri vom Internationalen Wasatia-Forum aus Jordanien und Adel Al Shaddy als Vertreter der Muslim World League.
Entwicklung braucht Dialog – auch nach Innen
In einer Zeit, da der interreligiöse und interkulturelle Dialog wachsende Bedeutung gewinnt, muss auch der lebendige Diskurs innerhalb einer Glaubensgemeinschaft gefördert werden. Österreich erwies sich durch den rechtlichen Anerkennungsstatus des Islam bereits bei den Vorgängerkonferenzen als idealer Ort der Vernetzung und vor allem der muslimischen Positionierung nach außen. In Graz 2003 und Wien 2006 wurde theologisch fundiert und damit glaubwürdig unterstrichen, dass der Islam vereinbar mit den Werten von Demokratie, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten ist. Muslime sind als lebendiger Teil Europas auch vor dem Hintergrund ihrer Religion verantwortlich dafür, sich positiv in der Gesellschaft einzubringen.
Konkrete und handlungsorientierte Lösungen gefordert
Auf dieser Grundlage soll die Konferenz zu einer weiteren Vertiefung beitragen und vor allem konkrete Handlungsfelder und Strategien benennen. Gerade jene muslimischen Männer und Frauen, die durch ihre seelsorgerische und religiöse Tätigkeit Orientierung geben, sollen in positivem Sinne meinungsbildend wirken. Denn wenn sie zu Interaktion und einem islamischen Weg der Mitte aufrufen, so hat dies Gewicht. Muslime wollen nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung moderner Herausforderungen wahrgenommen werden. Dazu ist ein stärkeres verantwortliches Engagement nötig.
Hauptziele dieser Konferenz sind:
- Die fiqhbezogene Hervorhebung der moderaten Orientierung als Hauptachse des
originären islamischen Denkens
- Überwindung des Gewaltphänomens in den familiären, gesellschaftlichen und
internationalen Beziehungen.
- Entwicklung und Förderung der Frauenrolle bei der Gestaltung der
Grundstrukturen von muslimischen Gemeinden in den europäischen
Gesellschaften und die wissenschaftliche Qualifizierung muslimischer Frauen, um
diese Rolle adäquat zu übernehmen
- Klarstellung des muslimischen Standpunktes in Bezug auf die gegenwärtigen und
zukünftigen Entwicklungen auf europäischer Ebene.
- Gestaltung der Beziehungen zwischen den Muslimen (Einheimischen und
Immigranten) in Europa und ihren andersgläubigen MitbürgerInnen im Rahmen
des Dialogs und des friedlichen Zusammenlebens.
Dazu werden am Vormittag des 15. Mai fünf Referate gehalten.:
Mevlud Dudic zu „Islam – Theologie der Mitte“
Amena Shakir zu „Empowerment der Frauen im islamischen Kontext“
Ayatollah Reza Remazani zu „Das Phänomen Gewalt – Prävention und Überwindung“
Farid Hafez zu „Das Haus Europa: Muslimischer Beitrag“
Nawal Sibai zu: „Zusammenleben gemeinsam gestalten“
Am Nachmittag tagen in interner Diskussion acht Workshops zu folgenden Themen, die in die anschließende Schlusserklärung fließen:
„Muslimische Männer und Frauen in einer sich verändernden Gesellschaft“
„Das Phänomen Gewalt – Prävention und Überwindung“
„Muslimische Jugend in Europa – Perspektiven und Herausforderungen“
„Impulse islamischer Wirtschaftsethik“
„Umweltschutz als Verantwortung für die Schöpfung“
„Imame-Ausbildung und islamischer Religionsunterricht in Europa“
„Interreligiöser und interkultureller Dialog – Chancen und Herausforderungen“
„Zukunftsperspektiven der MuslimInnen in Europa“
Die Schlusserklärung wird am Sonntag, 16. Mai in einer Pressekonferenz ab 11.00 Uhr in der IRPA, Neustiftgasse 117, 1070 Wien vorgestellt.
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